150 Jahre TV Ebern – Heimspiel mit prominenten Gästen

Festkommers 150 Jahre TV Ebern

150 Jahre TV Ebern: Jubiläum in festlichem Rahmen. Mit einem Festkommers begeht der TV Ebern am Samstag feierlich sein Jubiläum. Glückwünsche überbringen zahlreiche Ehrengäste aus Politik und Sport.

Jörg Ammon vom BLSV gratuliert beim Festabend – 150 Jahre TV Ebern

Jörg Ammon vom BLSV gratuliert beim Festabend – 150 Jahre TV Ebern

Wo sollte ein Turnverein sonst sein Jubiläum feiern, wenn nicht in einer Sportstätte: Die städtische Turnhalle war standesgemäß der Austragungsort des Festabends, den der TV 1863 Ebern zu seinem 150-jährigen Bestehen am Samstag mit Prominenz und Ehrengästen abhielt. Sportlich war auch das Programm des Abends, verlangte durch die dann doch zahlreichen Grußworte zwar etwas mehr Ausdauer, als zuvor erwartet, war aber im Jubeljahr des Vereins einmal mehr ein Erfolg auf ganzer Linie.

„Das Beste am Baum sind die Äste, das Beste am Fest sind die Gäste“, zitierte TV-Vorsitzender Karl-Heinz Krebs und stellte damit gleich zu Beginn klar, dass es hier vor allem ums Feiern gehen sollte. Das hatten am Freitagabend bereits die Ehemaligen vorgemacht, die sich im Festzelt im Pausenhof der Grundschule zu einem Nostalgietreffen zusammenfanden; und auch nach dem Festkommers ermöglichte der laue Sommerabend noch ein geselliges Beisammensein, umrahmt vom Eberner Blasorchester.

Bürgermeister Robert Herrmann, Schirmherr und zugleich dritter Vorsitzender des Jubelvereins, erinnerte in seinem Grußwort an die sprichwörtlich „bewegten Zeiten“, in denen sich der Verein einst gründete. Und auch einen Blick in die Zukunft gab es: Erfreulich sei, dass sich der TV nicht nur erfolgreich der Nachwuchsarbeit widme, sondern auch sein Angebot für die „Generation Silber“ erweitere, die zunehmend eine wichtige Rolle spielen werde.

Vorstellung der Abteilungen beim Festabend - 150 Jahre TV Ebern

Vorstellung der Abteilungen beim Festabend – 150 Jahre TV Ebern

Wie sein Vorredner kann auch Landrat Rudolf Handwerker auf eine sportliche Jugend zurückblicken und richtete so einen sportlichen Gruß an den mittlerweile größten Verein im Landkreis Haßberge, der sich in einer „Top-Form“ befinde: „Hut ab, was die Abteilungsleiter in Ebern alles auf die Beine stellen!“, so der Kreischef, der sich über das vielfältige Angebot in der Serie der Neuen Presse über die einzelnen Abteilungen ein Bild machen konnte. Wer es über einen Zeitraum von 150 Jahren geschafft habe, immer wieder Mitglieder zu gewinnen, aber dabei auch traditionelle Angebote beibehalten hätte, verdiene Anerkennung. Dabei sei der TV Ebern auch eine tragende Säule im kulturellen und gesellschaftlichen Leben der Stadt Ebern.

Bewusst sei er sich wohl, so der Landrat weiter, dass es wegen des lange Zeit in Anspruch nehmenden Hallenbadneubaus zu Austritten gekommen sei. „Ich bitte alle darum, bei der Stange zu bleiben“, legte Handwerker den Schwimmern dringlich ans Herz: „Dafür werden Sie ein schöneres Bad bekommen, als Sie es bisher gehabt haben.“ Obwohl man bei den Arbeiten „voll im Zeitplan“ liege, verstehe er, dass es den Menschen zu lange dauere. Doch: „Es gibt kaum schwierigere Bauvorhaben als Bäder.“ Aktuell kümmere sich eine Arbeitsgruppe aus Architekten, Stadt und Landkreis, Gemeinden, Schulen und Vereinen um die weitere Planung; der Bau solle Anfang 2014 beginnen und 2015 fertiggestellt sein. Und noch etwas versprach der Landrat: „Das Mini-Fußball-Spielfeld wird garantiert wieder neben dem neuen Hallenbad errichtet werden!“ Für den Neubau muss es vorübergehend weichen; den Neu-Aufbau werde dann der Kreis bezahlen, „das garantiere ich, und die Stadt wird mitbezahlen, das hoffe ich“, so Handwerker.

Turngauvorsitzender Günter Dietz überreicht Jahnschild beim Festabend - 150 Jahre TV Ebern

Turngauvorsitzender Günter Dietz überreicht Jahnschild beim Festabend – 150 Jahre TV Ebern

Neben zahlreichen Ehrengästen aus der Politik, wie etwa Staatssekretär a. D. Albert Meyer, oder dem Ur-Ur-Enkel des Vereinsgründers Franz Michael Bandorf, Elmar Liebender, gaben sich auch viele namhafte Sportfunktionäre die Ehre. Jörg Ammon, Vize-Präsident des Bayerischen Landessportverbandes (BLSV), lobte das ehrenamtliche Engagement der Vereinsmitarbeiter als „Rückgrat der Gesellschaft“ und überreichte gemeinsam mit BLSV-Kreisvorsitzenden Andreas Schröck Gutschein und Urkunde. Bezirksehrenamtsreferent Günther Bardutzky gratulierte mit einem Ball in fränkischen Farben, während Kreisspielleiter Helmut Dinkel den Bundesligafußball der vergangenen Saison überreichte. Ein besonderes Präsent hatte der Bezirksvorsitzende des Turnerbundes, Günter Dietz aus Hofheim, im Gepäck: Zum 150-jährigen Bestehen kann sich nun auch der TV Ebern das Friedrich-Ludwig-Jahn-Schild ins Sportheim hängen.

Monika Drummer gratuliert Karl-Heinz Krebsbeim Festabend – 150 Jahre TV Ebern

Monika Drummer gratuliert Karl-Heinz Krebsbeim Festabend – 150 Jahre TV Ebern

MdB Dorothee Bär kam zwar ohne Gutschein, aber mit dem Versprechen, gemeinsam mit Albert Meyer zum 200. Geburtstag des Vereins wiederzukommen, Untermerzbachs Bürgermeister Helmut Dietz hatte dafür im Namen seiner „kleinen Gemeinde auch ein kleines Kuvert“ dabei, das er Karl-Heinz Krebs überreichte. Ihm gleich tat es der Kulturringsvorsitzende Eberhard Wohl, der gemeinsam mit dem Vereinsbeauftragten der Stadt, Jürgen Hennemann, zum Jubiläum gratulierte. Die gute Zusammenarbeit bewies man bereits im Vorfeld, wo der Kulturring auch in der Organisation kräftig unterstützte. Eine ganz persönliche Ehrung nahm schließlich Monika Drummer von der Kegelabteilung vor: „Was wäre der TV ohne dich“, wandte sie sich an einen sichtlich gerührten Karl-Heinz Krebs, der dem TV Ebern immerhin seit acht Jahren als Vorsitzender ein Gesicht verleiht.

Viele junge Gesichter lockerten schließlich das Programm auf: Die Tanzgruppe von Nadine Elle, trainiert von Johanna Staudinger und Vanessa Hirt, brachten viel Farbe ins Spiel; eine rosige Zukunft wiederum versprechen die Nachwuchsturnerinnen von Ullu Werner: „Turnen macht fit“ hieß ihr Programm, das neben großem Talent auch viel Sinn für Humor bewies. Das Lob gab Karl-Heinz Krebs übrigens umgehend zurück: „Ein Vorsitzender ist nur so gut wie seine Mannschaft.“

Turnerinnen beim Festabend - 150 Jahre TV Ebern

Turnerinnen beim Festabend – 150 Jahre TV Ebern

Immer wieder ein Grund zu feiern

Die Festrede des Abends übernimmt Kreisheimatpfleger Günter Lipp. Er erinnert an die Anfangsjahre – und daran, dass in neun Jahren eigentlich wieder eine Feier ansteht.

Günter Lipp hält die Festrede beim Festabend - 150 Jahre TV Ebern

Günter Lipp hält die Festrede beim Festabend – 150 Jahre TV Ebern

Kreisheimatpfleger Günter Lipp feiert offensichtlich gern: Bei seiner Festrede zu 150 Jahren TV Ebern am Samstag erinnerte er die TVler daran, dass sie eigentlich noch gar kein Jubiläum hätten. Dafür könne man aber in neun Jahren noch einmal zur Feier einladen: Nicht auf 1863, mit dem damaligen Aufruf zur Vereinsgründung durch einen gewissen Wilhelm Richter, könne man seiner Meinung nach die Geburtsstunde des Vereins begründen, sondern erst mit der Mitteilung von Franz Michael Bandorf an den Magistrat der Stadt Ebern am 17. September 1872. „Sie können also schon in neun Jahren, am 17. September 2022 das 150-jährige Jubiläum des Turnvereins Ebern auf historisch solider Basis feiern“, regte der Kreisheimatpfleger an und beruhigte: „Ich hab schon nachgesehen: Es ist praktischerweise auch ein Samstag.“

Zurück zu den Anfangsjahren des Traditionsvereins, auf die Günter Lipp den Schwerpunkt seiner launigen Festrede setzte, denn: „Die kennen nur sehr wenige von Ihnen aus eigener Anschauung.“ Die Anfangszeit war geprägt vom Misstrauen der Obrigkeit in die patriotischen Bestrebungen des Volkes, was auch die Vereinsgründungen betraf: „Das ,frisch, fromm, fröhlich‘ hätte die Obrigkeit nicht gestört“, so Lipp: „Aber das ,frei‘ schon.“ Daher habe schon Mut dazu gehört, um 1860 einen neuen Verein zu gründen und anzumelden. Es geschah dennoch, und zwar drei Jahre nach dem ersten deutschen Turn- und Jugendfest im nahe gelegenen Coburg, mit jenem denkwürdigen Satz: „Überall im deutschen Vaterlande in Städten, Marktflecken und Dörfern bestehen schon Turnvereine – und Ebern soll zurückbleiben?“ Nein, dachten sich 65 Turnfreunde, fast alle bekannten Eberner Familien übrigens, und unterzeichneten den Aufruf. 1868 fand man das Schriftwerk offensichtlich bei „nicht registrierten Akten tief vergraben“, wonach sich schließlich im September 1872 Franz Michael Bandorf ein Herz fasste und die offizielle Gründung des TV Ebern mitteilte.

Bald gab es Fahnenweihe und Protokollbücher, die ersten Abteilungen formierten sich, und auch einen Monatsbeitrag gab es: 20 Pfennige, für damals nicht wenig. Vereinslokal war der Streitsgarten, und die Männer turnten im „Turncostüm“. Und doch ging es beim TV Ebern von Anfang an nicht nur ums Turnen: Denn, wie Günter Lipp zitiert, „beim Turner verlangt das ,Tanzgebein‘ mit gebieterischer Macht sein Recht“. Legendäre Silvesterbälle bildeten die Vorläufer der heutigen Kulturringabende und zählten mit Theateraufführungen, Kinobetrieb und Wanderungen daher laut Lipp zur „wahrscheinlich wichtigsten Abteilung, die leider in den Statistiken vergessen wird“, der Abteilung „gesellschaftliche Veranstaltungen“.

Auch sportlich gab es Gelegenheit zum Feiern: Höhepunkte waren stets die Gauturnfeste, 1890 und 1910 auch in Ebern. Bald folgten die ersten Jubiläen, 1925 das 50-jährige Bestehen, 1963 das 100-jährige, erneut mit einem Gauturnfest. Vielen noch in Erinnerung ist vermutlich das 125-Jahre-Jubiläum, zu dem der TV Ebern 1988 einlud. Wie so oft bei TV-Veranstaltungen der jüngeren Vergangenheit herrschte auch da leider schlechtes Wetter. Wie gut, dass der TV Ebern aber sein Jubiläum genau jetzt feierte – wer weiß, wie das Wetter im September 2022 aussieht. So viel Sonnenschein muss man sich schon irgendwie verdient haben.

Abdruck mit freundlicher Genehmigung
Zeitungsbericht vom 08.07.2013 der Neuen Presse; Artikel von Tanja Kaufmann

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