Ausstellung im Heimatmuseum – 150 Jahre TV 1863 Ebern

Verein springt in Geschichte

Verein springt in Geschichte – Eine Ausstellung im Heimatmuseum öffnet bis Ende Mai den Blick in 150 Jahre Vereinsgeschichte.

„Das Berühren von Ehrengästen und weiblichen Personen sowie das Benützen derselben als Zielscheiben ist verboten.“ Das legte die Festordnung der Fußballabteilung dereinst fest. Nachzulesen ist dies im Heimatmuseum,wo am Sonntag zum besonderen Jubiläum des Turnvereins und zur Saisoneröffnung die Sonderausstellung „150 Jahre TV Ebern“ eröffnet wurde. Das Berühren der Ehrengäste war dabei unumgänglich, so gut besucht die Vernissage am Sonntagvormittag.

150 Jahre TV Ebern – Ausstellung im Heimatmuseum Ebern

150 Jahre TV Ebern – Ausstellung im Heimatmuseum Ebern

Das Schwelgen in Nostalgie war die Hauptsportart. Zu schön die alten Bildern und Dokumente, zu frisch noch die Erinnerung. Und dabei rückten längst in den Hintergrund getretene Ereignisse wieder ins Bewusstsein: Teilnahmen an Turnfesten, ein Handballspiel gegen die Nationalmannschaft der UdSSR oder ein Fußballspiel gegen Eintracht Frankfurt.Die üppig ausgestattete Ausstellung mit Beiträgen aus allen zwölf Abteilungen liefert nicht nur Erinnerung an glorreiche Zeiten, sondern auch jede Menge Gesprächsstoff, wie sich bei der Eröffnung schon zeigte.

Auch Bürgermeister Robert Herrmann (CSU) schlupfte gedanklich nochmals in die Keilhose mit Fersenhalter, die er beim Festzug zum 100. Jubiläum trug, weil „dies damals schneidig aussah“.

Die politischen Wirrungen rund um Sportvereine werden in der Ausstellung nicht ausgeklammert, sondern herausgestellt. TV-Vorsitzender Karlheinz Krebs erinnerte an die „bewegte Zeit“ der Gründung anno 1863, die auf einen entsprechenden Aufruf zurück ging, um bei der Polizeibehörde gemeldet werden zu können. Als erster und langjähriger Vorsitzender habe Franz-Michael Bandorf damals viele bürokratische Klippen umschiffen müssen und „deutliche Spuren hinterlassen, auch weil er gegen die Obrigkeit aufbegehrte“, wie Krebs aus den Vereinsprotokollen herausgelesen hatte.

Krebs dankte dem Bürgerverein für die Möglichkeit, die Vereinsausstellung präsentieren zu können, wobei mit Stefan Andritschke ein kreativer Kopf an der Spitze gestanden habe. Entstanden sei somit eine „wundervolle und ideenreiche Ausstellung, die an sportliche und gesellschaftliche Veranstaltungen erinnert“ – von Silvesterbällen, über Faschingsumzüge, Rosenmontagsbällen, Theateraufführungen, bunten Abende und Götzwanderungen.

150 Jahre TV Ebern – Ausstellung im Heimatmuseum Ebern

150 Jahre TV Ebern – Ausstellung im Heimatmuseum Ebern

Für die Vielzahl an Sportlern, die Ebern bayernweit vertreten und zu Ruhm geführt hätten, erwähnte Krebs die Turnier Heinrich Schmitt und Alfons Müller. Dabei zitierte Krebs auch aus einem Schreiben des Gauturnleiters zum 100. Jubiläum, wonach er für die Frauen „eher mittelmäßige Übungen“ ausgewählt habe,wobei die Röcke erst auf dem Übungsplatz abgelegt werden dürften.

Das Herumlaufen in Hosen und mit Zipfelmütze sei ebenfalls verpönt, teilte Gauleiter Dumpfroff mit „treudeutschem Gruß“ mit.

Derzeit habe der TV Ebern 1300 Mitglieder, 550 davon seien Kinder oder Jugendliche, wagte Krebs den Sprung in die Gegenwart, verbunden mit dem Hinwies, dass auch im Jubiläumsjahr attraktive sportliche und gesellschaftliche Angebote zusammengestellt worden seien.

Bürgervereinsvorsitzender Ingo Hafenecker verwies auf die engen Beziehungen von Turn und Bürgerverein: „Für die Ausstellung hatten wir wenig Geld, aber viel Einfallsreichtum“, lobte er seinen Vorstandskollegen Stefan Andritschke und dessen Kinder Isabell und Fabian.

Abdruck mit freundlicher Genehmigung
Zeitungsbericht vom 24.01.2013 des Fränkischen Tag; Artikel von Ralf Kestel

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