Begrüßungsworte durch den 1. Vorsitzenden Karl-Heinz Krebs zur Ausstellung „150 Jahre TV Ebern“ im Heimatmuseum

Auch ich begrüße alle sehr herzlich und freue mich, dass so viele ihr Interesse an der reichen Geschichte des TV Ebern zeigen. Besonders begrüßen möchte ich aber noch Herrn Günther Dietz, den Vorsitzenden des Turngaus Schweinfurt-Haßberge. Er ist gleichzeitig Vorsitzender der Turngeräte- Gemeinschaft Haßberge, der sich auch unsere Turnabteilung angeschlossen hat.

Liebe Freunde des Bürgervereins und des Turnvereins, meine Damen und Herren,

Karl-Heinz Krebs bei der Begrüßung 150 Jahre TV Ebern – Ausstellung im Heimatmuseum Ebern

Karl-Heinz Krebs bei der Begrüßung 150 Jahre TV Ebern – Ausstellung im Heimatmuseum Ebern

„Überall im Deutschen Vaterlande in Städten,
Marktflecken u. Dörfern bestehen schon Turnvereine
und Ebern soll zurückbleiben?
Um die Anregung zur Bildung eines Turnvereins
zu geben, eröffne ich eine Liste in welche sich Alle
einzeichnen wollen, welche entweder als wirkliche
Turner oder als Turnfreunde eintreten wollen“.

Dieses erste schriftliche Dokument gilt zumindest seit 1925 als Gründungsurkunde des TV Ebern. Damals feierte man nämlich das 50-jährige Bestehen des Vereins und entdeckte bei der Feier – so ist im Protokollbuch nachzulesen – den gerade zitierten Gründungsaufruf. Dieser Appell an Eberns sportbegeisterte junge Männer erhielt meiner Meinung nach den entscheidenden Anstoß durch das „erste allgemeine deutsche Turn- und Jugendfest“ 1860 in Coburg. 23 Turnfreunde und 30 Turner unterschrieben den Aufruf, der mit folgendem Satz endet:

„Nach geschehener Unterzeichnung werden die
nötigen Schritte bei der Polizeibehörde geschehen.“
Ebern, im Juni 1863
(im manchfachen Auftrag W Richter)

Die notwendigen Schritte aber verzögerten sich – so konnten wir im Stadtarchiv feststellen, da der Bürgermeister nicht anwesend war. Zudem war es ja eine sehr bewegte Zeit: Man denke nur an die Kriege von 1866 und 1870/71 -, sodass schließlich Franz Michael Bandorf 1872 mit einem Satz dem Bürgermeister mitteilt, dass der Turnverein gegründet sei.

Franz Michael Bandorf war es auch, der sich 1863 als Erster der Turner auf der Liste eintrug und 1883 zum ersten Ehrenmitglied ernannt wurde, „nachdem solcher als Gründer und langjähriger Vorstand des Vereins sich große Verdienste um besagten Verein erworben hat.“ Ein Mann also, der in Ebern viel bewirkt hat, der deutliche Spuren hinterließ und dabei sich nicht scheute, gegen die Obrigkeit aufzutreten.

Und Franz Michael Bandorf ist auch so etwas wie das Verbindungsglied zwischen dem Bürgerverein und dem TV Ebern. Er gilt nicht nur als Gründer des Turnvereins, sondern er war es auch, der 1887 den ersten, allerdings schließlich gescheiterten Versuch zur Gründung des Bürgervereins unternahm.

Nicht zuletzt deshalb war die Vorstandschaft des Turnvereins sofort begeistert, als Ingo Hafenecker im vergangenen Jahr anrief und von der Idee sprach, man könnte vielleicht eine Ausstellung im Jubiläumsjahr im Heimatmuseum gestalten. Was daraus geworden ist, können Sie ja heute sehen.

Und so möchte ich mich ganz herzlich bei allen Verantwortlichen des Bürgervereins, besonders beim 1. Vorsitzenden Ingo Hafenecker und bei Vorstandsmitglied Stefan Andritschke bedanken, die diese Ausstellung initiiert und damit erst möglich gemacht haben. Sie haben sicherlich schon bei einem kurzen Blick in die Ausstellung gemerkt, dass hier ein „kreativer Kopf“ am Werk war; ganz herzlichen Dank an Stefan Andritschke für diese wundervolle, ideenreiche Gestaltung der Ausstellung.

Ich möchte noch einen weiteren Punkt ansprechen, der beide Vereine verbindet:
Genauso wie der Bürgerverein durch viele seiner Veranstaltungen und Aktionen das gesellschaftliche Leben in Ebern mitgestaltet hat und mitgestaltet, so kann dies auch der TV 1863 Ebern in seiner langen Geschichte für sich in Anspruch nehmen. Ich erinnere nur an die großen Silvesterbälle, an die prunkvollen Faschingsumzüge, die in ihrer Vielfalt und Pracht in den dreißiger Jahren große Scharen von Zuschauern anzogen, an die bis ins Jahr 1971 vom TV veranstalteten Rosenmontagsbälle, an Theateraufführungen, von denen bereits um die Jahrhundertwende berichtet wurde, an die „Bunten Abende“ der Fußballabteilung nach dem 2. Weltkrieg, an die Götz-Wanderungen am Himmelfahrtstag (mit der höchsten Beteiligung 1965 mit 200 Personen), an die großen Jubiläumsfeste von 1925 (50. Jubiläumsfest), von 1953 zum 90-jährigen und besonders an 1963, das nicht zu überbietende Fest zum 100-jährigen Bestehen des Vereins.

Vergessen werden sollen auch nicht die Namen vieler Sportler, großer Turner, Schwimmer, vor allem Schwimmerinnen, bekannter Fußballer, Leichtathleten, Handballer, Volleyballer, Tischtennisspieler, die den Namen der Stadt Ebern damals und heute im bayerischen Raum und darüber hinaus bekannt gemacht haben. Ich möchte nur zwei Personen aus der Turnabteilung, stellvertretend für die vielen anderen herausragenden Sportler, nennen. Erinnert sei an Heinrich Schmitt, der als ältester aktiver Turner mit 88 Jahren auf dem deutschen Turnfest in Hannover 1988 besonders geehrt wurde, und an Alfons Müller, der mit seiner Familie dafür sorgte, dass auch über schwierige Zeiten hinweg, in denen das Turnen nicht mehr so hoch im Kurs stand, im TV Ebern geturnt wurde.

Eine kleine Episode am Rande: Es dauerte ja einige Zeit, bis die Frauen turnen durften. Und sie mussten dabei so manches beachten. So schickt der Gaufrauenturnwart Dumproff dem Turnverein Ebern am 17.April 1925 folgendes Schreiben:

„Liebe Turnbrüder!
In der Anlage übersende ich Euch die gewünschten Übungen für Frauen für Euer Turnfest. Ich habe einen Gerätefünfkämpf gewählt mit mittelmäßigen Übungen, damit das Frauenwetturnen bei euch gleichzeitig ein Werbeturnen für Frauen in Ebern wird. Hoffentlich wird dann bald eine Frauenabteilung in Ebern geboren.
Benötigt ist ein Stützreck, ein guter Holzbarren und ein Pferd mit Sprungbrett. Es wird auch gut sein, mit der Hinausgabe der Übungen auch gleichzeitig Verhaltungsmaßregeln bekanntzugeben, dass die Röcke erst am Wetturnplatz abgelegt werden und dass ein Herumlaufen in Hosen außerhalb des Wetturnplatzes strengstens verboten ist. Das Tragen von Zipfelmützen wäre gleichfalls abzulehnen.
Zur Erteilung sonstiger gewünschter Aufschlüsse bin ich jeder¬zeit gerne bereit. Ich wünsche heute schon eurem Fest ein recht gutes Gelingen. Treudeutsche Grüße Euer Dumproff.“

Das war zum 50-Jährigen. Was uns wohl der gute Herr Dumproff heute für Ratschläge geben würde?

Wenn heute in 12 Abteilungen 1300 Mitglieder, davon 550 Kinder und Jugendliche, vereint sind, dann ist das ist sicherlich ein Verdienst all derer, die in den zurückliegenden 150 Jahren es in der Vorstandschaft, als Abteilungs- und Übungsleiter und als Betreuer verstanden haben, ihren Mitbürgern attraktive sportliche und gesellschaftliche Veranstaltungen anzubieten.

Zum Schluss danke ich noch einmal den Verantwortlichen des Bürgervereins für diese wunderschöne Ausstellung. Ich hoffe, sie regt einige an, die alten Fotoalben hervorzuholen und durchzublättern und vielleicht die eine oder andere interessante Entdeckung zu machen. Ich kann mir nämlich vorstellen, dass dies jetzt eine Möglichkeit ist, manches vor dem endgültigen Verschwinden zu bewahren. Man sieht ja, welch interessante Ausstellung möglich ist, wenn es Leute gibt, die Sinn und Gespür für erhaltenswerte Exponate haben. Deswegen gilt mein besonderer Dank auch allen, die in irgendeiner Weise durch Zur-Verfügung-Stellung von Ausstellungsstücken und Bildern zu dieser Ausstellung beigetragen haben. Ganz herzlichen Dank! Wenn sie noch etwas finden, bitte melden Sie sich, bei uns, bei Ingo Hafenecker oder Stefan Andritschke. Die Ausstellung kann noch ergänzt werden, manches kann auch ausgetauscht werden, die Ausstellung läuft ja bis Ende Mai.

Und jetzt wünsche ich allen viel Spaß beim Betrachten der alten Bilder und Gegenstände.

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