Chronik des TV Ebern aus den Jahren 1945 bis 1947

Aus den Jahren 1945 bis 1947 fanden sich folgende Einträge in der Chronik des TV Ebern

Diese zeigen die schwierige Situation nach der Machtübernahme Hitlers sowie nach Ende des 2. Weltkriegs.

Abschrift 14a vom 19. Juli 1945

An
die Militärregierung Ebern

Betreff: Vermögen des Turnvereins Ebern.

Der Turnverein Ebern besteht seit über 70 Jahren; er verfolgte nie politische Ziele und sah seine Aufgabe nur in der körperlichen Ertüchtigung seiner Mitglieder. Im Jahre 1935 musste sich der Verein dem Reichsbund für Leibesübungen anschließen, aber auch dann betätigte sich der Turnverein politisch nicht.

Das Vermögen des Turnvereins Ebern besteht außer wenigen Turngeräten in einem Sparguthaben bei der Kreissparkasse Ebern. Zufolge Anordnung der amerikanischen Besatzungsbehörde musste das Sparbuch nebst Kassebüchern und Vereinsakten beim Bürgermeister in Ebern abgeliefert werden. Zur Bezahlung von laufenden Rechnungen benötigt der Verein dringend Barmittel.

Hiermit stelle ich als Vorsitzender des Vereins die B i t t e, die Freigabe des Vereinsvermögens und die Genehmigung zum Weiterbestehen des Turnvereins Ebern erwirken zu wollen. Der Verein würde seine früheren Satzungen wieder in Kraft setzen.

gez. May 97
Vereinsvorsitzender

Protokolleintrag vom 20. Mai 1946

Am 19. Januar 1936 fand die letzte offizielle größere Veranstaltung des TV Ebern statt und seit diesem Zeitpunkt ruhte die ersprießliche Arbeit des Vereins. Wohl fanden noch hie und da Versuche zur Abhaltung von Turnstunden statt, aber es war nicht mehr der richtige Schwung dahinter. Was war geschehen? Nichts meinte man! Aber jeder tiefer blickende Mensch konnte feststellen, dass seit der Machtübernahme durch Hitler auch die auf freiwilliger Hingabe beruhende Tätigkeit im TV Ebern durch diktatorische Maßnahmen und durch die verschiedenen politischen Einstellungen der Turner gehemmt und eine gedeihliche Zusammenarbeit unterbunden wurde. Die Anmaßung jugendlicher Menschen, die erst noch von alten erfahrenen Kräften zu richtigen Turnern geformt hätten werden müssen, ging so weit, dass selbst Männer, die mehr als 30 Jahre dem Turnen in uneigennütziger Weise ihre Kräfte weihten, sich von 15 bis 16-jährigen Jungens Vorschriften machen lassen sollten. Die Folge war, dass sich die ideal und frei veranlagten Ausbildungskräfte des Vereins allmählich von ihren Posten stillschweigend zurückzogen und der Verein auch zu Beginn des unseligen Kriegs im Jahr 1939 allmählich seinem Niedergang entgegengehen musste. Ein stolzes Werk zu Grunde zu richten ist ja so leicht, aber ein solches zur Größe aufzubauen, unendlich schwer.

Nachdem nun der große Krieg zu Ende gegangen und uns so viel Not brachte, stehen wir vor Ruinen, die unsägliche Mühen erfordern werden, wenn sie wieder zu ihrem früheren Glanze auferstehen sollen. Wenn auch die Männer, die bisher an der Spitze des Vereins standen, infolge ihrer teilweisen und oft unverschuldeten politischen Belastung nicht mehr in der Vorstandschaft des Vereins tätig sein können, so hoffen aber alle, dass die jüngeren Generationen wieder mutig in die Räder des Schicksals eingreifen mögen, um den Verein wieder in seine frühere stolze Höhe zu führen.
Das ist der „Alten“ aller Wunsch.

Ebern, 20. Mai 1946
Hans Scherer

Abschrift 14b (Übersetzung) vom 01. April 1945

Amt der Militär- Regierung für Landkreis Ebern
APO 403

Betrifft: Bau eines Sportplatzes.
An: Den Landrat des Landkreises Ebern.

Um die Jugendlichen unter 14 Jahren von der Strasse fern¬zuhalten und vor Unglücksfällen zu bewahren wird im Landkreis Ebern eine Art Sportplatz benötigt. Das größte Problem bildet gegenwärtig die Erziehung der Jugend Deutschlands. Durch die Schaffung eines Platzes, auf dem alle Sportarten ausgeübt werden können, ist der erste Schritt zur Neuerziehung der Jugend getan.

In Ebern sind mehrere Grundstücke, die für solch einen Sportplatz benutzt werden können. Dieses Land ist für landwirt-wirtschaftliche Zwecke nicht zu verwerten; z.B. der Müllabladeplatz ent¬lang der Eisenbahnstrecke hinter dem Landratsamt.

Es wird gebeten, dass Sie auf diese Angelegenheit Ihr Augenmerk richten und die Wichtigkeit der Neuerziehung der Jugend, die durch Organisierung des Sportes gefördert werden kann, besonders zu berücksichtigen.

gez. Robert W.Jones
Capt., C.E.
Direktor.

An
den Vorstand des Turnvereins
Herrn Georg Mai

E b e r n Nr. 97
zur gefl. Kenntnis.

Niederschrift über eine außerordentliche Versammlung des TV Ebern am 5. April 1946

Durch das Landratsamt Ebern wurde dem Turnverein Ebern ein Schreiben der Militärregierung in Ebern vom 1.4.46 zugeleitet, in welchem die Mil. Regierung anregt, für die Neuerziehung der Jugend im demokratischen Geist den bisherigen Turn- und Sportplatz des Vereins – der durch verschiedene Kriegsmaßnahmen der letzten Jahre nicht mehr für Sportzwecke benutzt werden konnte – herzurichten und zur Verfügung zu stellen.

Mit Genehmigung des Landratsamtes bzw. der Militärregierung wurden deshalb durch den Vereinsvorstand Herrn Georg Mai (Hs Nr. 97) alle Mitglieder bzw. Sportinteressenten zur heutigen Versammlung, die im ehemaligen Casinozimmer des Hotels zur Eisenbahn in Ebern stattfand, eingeladen.

Zu dieser Versammlung waren die Herren:
Landrat Gaebert, Schulrat Karl Hoch, Georg Mai, (Vorstand des Vereins), Nikolaus Müller (Kassierer), August Hermsdörfer (1. Turnwart), Hans Scherer (Jugendturnwart), Fritz Elflein (Frauenturnwart) und an(?) 40 Sportinteressenten erschienen.

Der Vereinsvorsitzende begrüßte alle Erschienenen recht herzlich und machte diese von dem Zwecke der heutigen Versammlung (Neuausbau des Sportplatzes) nochmals bekannt. Herr Schulrat Hoch ergriff hierauf das Wort, um in zündender Rede die Jugend für den freiwilligen Einsatz beim Ausbau des Sportplatzes zu begeistern. Sein Appell fiel dann auch auf fruchtbaren Boden, denn alle waren zum Einsatz bereit.

Von Vereinsvorsitzenden wurde nun weiter in Aussicht gestellt, dass außer den freiwilligen Helfern auch noch eine ständige Arbeitsgruppe vom Verein uns gestellt würde, sobald vom Arbeitsamt Ebern uns diese Kräfte zur Verfügung gestellt werden könnten.

Herr Landrat Gaebert regte hierauf an, dass ein Arbeitsausschuss gebildet werden möge, der die nötigen Vorarbeiten für den Sportplatzausbau im Benehmen mit dem Kreisbaumeister treffen soll.

In den Arbeitsausschuss wurden hierauf sofort die Herren:
Georg Mai, Nikolaus Müller, Hans Scherer und Fritz Dürr jr. gewählt.

Der Ausbau des Platzes soll beschleunigt beginnen.
Nachdem infolge der ergangenen Verordnungen der Militärbehörden der TV Ebern, der dem Reichsbund für Leibesübungen nach der Machtübernahme angeschlossen wurde, unter das Vereinsverbot fiel, wurde vom bisherigen Vereinsvorstand der Vorschlag auf Neugründung eines Sportvereins unter der Bezeichnung „Turn- und Sportverein Ebern“ gemacht.

Nachdem Herr Landrat Gaebert erfuhr, dass der TV Ebern bereits vor nahezu 100 Jahren gegründet wurde, regte er an, keine Namensänderungen des Vereins vorzunehmen, da er bei der hiesigen Militärregierung um das Bestehenbleiben des alten Vereins nach der Neuerrichtung von Satzungen (im demokratischen Sinne) Schritte unternehmen wolle, die Abänderung oder Außerkraftsetzung der Satzungen vom 24. Februar 1935, d. h. der letzten Vereinssatzung, soll einer demnächst stattfindenden Generalversammlung vorbehalten bleiben.

Mit einer gemütlichen Unterhaltung schloss die Versammlung. Möge dem Verein ein neues Morgenrot zu Nutz und Frommen der heranwachsenden Jugend erglühen.

Scherer
May 97 Vorst.

Abschrift 14 c vom 06. April 1946

An die
hohe Militärregierung Ebern
(durch den Landrat Ebern)

Betrifft: Antrag auf Zulassung des Turnvereins Ebern

Als Vorstand des Turnvereins Ebern stelle ich an die hohe Militärregierung Ebern die ergebenste Bitte, den Turnverein Ebern wieder zuzulassen und zu genehmigen. In der Mitgliederversammlung vom 03.04.46 unter Teilnahme des Herrn Landrates und Herrn Schulrates Hoch wurde der lebhafte Wunsch zum Ausdruck gebracht, der Turnverein möge seine Tätigkeit wieder aufnehmen.

Der Turnverein Ebern besteht schon fast 100 Jahre. Es wurde das Geräteturnen und der Rasensport betrieben. Da in einer so kleinen Stadt bei einer Aufteilung in Turn- und Sportverein die Mitglieder doch immer dieselben wären, wird gebeten, dem Turnverein Ebern die gewünschten Sportarten freizugeben.

Ich versichere, dass wie bisher auch künftig politische Einflüsse ausgeschaltet werden. Ich war nicht Mitglied der N.S.D.A.P. und deren Gliederungen.

Gez. May 97
Vorstand des Turnvereins Ebern

Niederschrift über die außerordentliche Generalversammlung des Turnvereins Ebern, e.V. am 01. Juni 1946, abgehalten im Hotel zur „Eisenbahn“ in Ebern

Infolge der Nachkriegsereignisse war die Einberufung einer außerordentlichen Generalversammlung zur Notwendigkeit geworden, da die Rechtsverhältnisse hinsichtlich des Bestehenbleibens des TV Ebern durch die ergangenen Verfügungen der Besatzungsmächte ungeklärt waren.

Der Vorsitzende des TV Ebern, Herr Georg May, Hs.Nr. 97, stellte fest, dass er nach mündlicher Weisung der hiesigen Militärregierung bereits im Jahre 1945 mit der weiteren Führung des Vereins beauftragt worden sei und dass dem Verein in keiner Weise Einschränkungen hinsichtlich der Verwaltung des Vereinsvermögens auferlegt wurden, obwohl die V.O. Nr. 52 der Alliierten Besatzungsmächte eine Beschlagnahme des Vermögens aller derjenige V ereine vorgesehen habe, die dem RBL. angeschlossen waren. Er wies ferner daraufhin, dass er bereits in einer am 5. April 1946 stattgefundenen Mitgliederversammlung die Neugründung eines Sportvereins vorgeschlagen habe, um so nicht mit den ergangenen Verordnungen in Konflikt zu geraten, dass aber nach Ansicht des damals in der Versammlung anwesenden Landrates, Herrn Gaebert, eine Neugründung nicht notwendig sei, da er bei der hiesigen Militärregierung sich für den Fortbestand des bereits 100 Jahre bestehenden TV Ebern einsetzen werde. Herr Landrat Gaebert schlug lediglich die Vornahme der Neufassung der Satzungen des Vereins vor.

Vom Vorsitzenden des TV Ebern war die heutige außerordentliche Generalversammlung zum Zwecke der neue Wahl des Vorstandes und der Neufassung der Satzung unter schriftlicher Bekanntgabe der Tagesordnung an die einzelnen Mitglieder einberufen worden.
Die hiermit vorgenommene Wahl des Vorstands – die einstimmig erfolgte hatte folgendes

Ergebnis:
1. Vorsitzender: May Georg, Sattlermeister in Ebern, 97,
2. Vorsitzender: Schmitt Josef, Buchbindermeister in Ebern,
Schiffsführer: Einwag Josef, in Ebern, Hs. Nr. 147,
Kassier: Schmitt Heinrich, Gärtnermeister in Ebern.

Die sämtlichen Gewählten erklärten Annahme der Wahl. Die vorgeschlagene Neufassung der Vereinssatzung, wie sie in der diesem Protokolle als dessen Bestandteil beigegebenen Anlage festgelegt sind, wurde einstimmig von der Versammlung beschlossen, nachdem die neue Satzung vorher bekanntgegeben worden war.

Die Änderung des Vorstandes und die Neufassung der Satzung sollen, nach Einholung der Genehmigung der hiesigen Militärregierung, im Vereinsregister eingetragen werden.

Zur Bestätigung unterzeichnen:
May 97
Schmitt Josef
Einwag Josef
Schmitt Heinrich

Abschrift der 1. Satzung des Turnvereins Ebern nach dem 2. Weltkrieg vom 01. Juni 1946

I. Name und Sitz des Vereins.
§ 1.
Der Verein führt den Namen: Turnverein Ebern.
§ 2.
Der Sitz des Vereins ist: E b e r n.
Der Verein soll in das Vereinsregister eingetragen werden.

II. Vereinszweck.
§ 3
Der Zweck des Turnvereins Ebern ist die Hebung und Förderung der Volkskraft und Volksgesundheit und die körperliche und geistige Bildung seiner Mitglieder.
§ 4.
Als Mittel zur Erreichung dieses Zweckes dienen: Regelmäßige Abhaltung von geordneten Turn-, Sport- und Spielübungen, Unterhaltung der notwendigen Geräte, Lokalitäten, Plätze usw., Ausbildung und Anstellung von Übungsleitern, Abhaltung von Vorträgen, Gesellschaftsabenden, Kursen, Wanderungen, Werbeveranstaltungen, Serienspiele, Versammlungen und dergl.

III. Ein- und Austritt der Mitglieder.
§ 5.
Die Mitgliederzahl des Vereins ist unbegrenzt. Als Mitglieder können alle unbescholtenen Personen beiderlei Geschlechts, die das 18. Lebensjahr erreicht haben, aufgenommen werden. Ausgenommen sind nur solche Personen, denen die bürgerlichen Ehrenrechte aberkannt sind. Rassische, religiöse oder politische Gründe dürfen für die Aufnahme keine Rolle spielen.
§ 6.
Der Verein besteht:
a) aus aktiven und passiven Mitgliedern,
b) aus Ehrenmitgliedern und
c) aus Zöglingen.
Über die Aufnahme von Mitgliedern und Zöglingen in den Verein entscheidet der Vorstand. Jede Aufnahme wird in der nächsten allgemeinen Versammlungen verkündet.
Nicht aufgenommene erhalten eine entsprechende Mitteilung. Innerhalb eines Monats steht diesen das Recht zu den Antrag zu stellen, dass das Aufnahmegesuch der Hauptversammlung zur Abstimmung vorgelegt wird.
§ 7.
Ehrenmitglied kann nur derjenige werden, der sich um den Verein außerordentlich verdient gemacht hat. Über die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft entscheidet die Hauptversammlung.
§ 8.
Die Aufnahmegebühren und Mitgliedsbeiträge werden festgesetzt wie folgt:
Aufnahmegebühr: 0
4.- RM f. Mitglieder über 18 Jahre
2.50 RM f. Mitglieder von 14 bis 18 Jahren
1.50 RM f. Mitglieder unter 14 Jahren.
Bezüglich der Beitragszahlung gilt der Anfang des lfd. Monats, in welchem der Aufnahmeantrag gestellt wurde als Eintrittstag. Der Austritt aus dem Verein ist jederzeit zulässig. Der Austretende hat den Vorstand jedoch schriftlich zu verständigen und den Beitrag für das laufende Monat zu entrichten.
§ 10.
Jedes Mitglied, das mit Beiträgen im Rückstand ist und trotz schriftlicher Mahnung seitens des Vorstandes innerhalb von 14 Tagen der Zahlung nicht nachkommt, wird als ausgeschlossen erklärt.
§ 11.
Grobe Verstöße gegen die Satzung des Vereins oder den Turn- und Sportbetrieb haben die Ausschließung aus dem Verein zur Folge. Über die Ausschließung entscheidet der Vorstand. Dem Ausgeschlossenen steht innerhalb eines Monats vom Tage des Ausschlussdatums an das Recht zu, den Antrag zu stellen, dass die Hauptversammlung über seinen Ausschluss entscheiden soll.

IV. Einnahmen und Ausgaben, Verwaltung.
§ 12.
Die Einnahmen des Turnvereins Ebern bilden:
a) Aufnahmegebühren und die ordentlichen Mitgliedsbeiträge,
b) Sondereinnahmen aus Veranstaltungen und Wettspielen sowie freiw. Zuwendungen.
§ 13.
Ausgaben dürfen nur für solche Zwecke erfolgen, die der Förderung des Vereinszweckes mittelbar oder unmittelbar dienen, wie z. B. Verbesserung des Sportplatzes, Anschaffung von Geräten, Vergütungen an Übungs- bzw. Spielleiter, sowie Auslagen für Teilnahme an auswärtigen Veranstaltungen etc.
§ 14.
Die Verwaltung des Vereinsvermögens erfolgt durch den Vorstand. Alljährlich hat eine Rechnungslegung zu erfolgen. Bei dieser Gelegenheit sind die Einnahme- und Ausgabenbelege zur Einsichtnahme für jedes Mitglied offen zu legen.
Nur die Hauptversammlung ist zur Erteilung der Entlastung hinsichtlich der Rechnungsführung berechtigt.
Als Rechnungsjahr gilt der 1. Januar – 31. Dezember.

V. Rechte und Pflichten der Mitglieder.
§ 15.
Die aktiven und passiven Mitglieder haben das Recht, den Haupt- und gewöhnlichen Versammlungen beizuwohnen und in die Vorstandschaft gewählt zu werden.
Wahlberechtigt sind nur persönlich anwesende Mitglieder.
§ 16.
Die aktiven und passiven Mitglieder haben die Pflicht:
a) den Bestimmungen der Satzungen, der Turn- und Spielordnung, den Beschlüssen der Hauptversammlung und den satzungsgemäßen Anordnungen der Vorstandschaft pünktlich nachzukommen;
b) im Verein und außerhalb desselben die Gesetze der Sittlichkeit und des Anstandes zu beachten und im Verkehr mit Mitgliedern des eigenen Vereins und anderer Vereine ein freundliches und brüderliches Benehmen zu beachten;
c) bei Wettkämpfen und Wettspielen den Kampf stets fair zu führen.

VI. Hauptversammlungen.
§ 17.
Die in den Hauptversammlungen persönlich anwesenden Mitglieder, (aktive, passive und Ehrenmitglieder) entscheiden in allen Vereinsangelegenheiten, deren Besorgung der Vorstandschaft nicht ausdrücklich vorbehalten ist, durch Stimmenmehrheit.
Bei Stimmengleichheit entscheidet das Los.
§ 18.
Die Hauptversammlung allein hat das Recht:
a) der Festsetzung und Abänderung der Satzungen des Vereins,
b) der Wahl des Vorstandes oder eines Ersatzmannes,
c) die Festsetzung der in § 8 bezeichneten Gebühren und Beiträge und deren Einhebung,
d) der Genehmigung des Rechnungsabschlusses;
e) der Genehmigung von Neuanschaffungen, deren Betrag die Summe von (500.-) RM übersteigt,
f) der Wahl des Turn- oder Spielplatzes und der Lokalitäten,
g) der Genehmigung zur Veranstaltung eines Turn- oder Sportfestes.
§ 19.
Die Hauptversammlung wird von dem Vorstand berufen, so oft es von ihm für nötig oder zweckmäßig erachtet wird; sollte jedoch trotz schriftlicher Einladung oder Bekanntgabe in der Tageszeitung eine Hauptversammlung durch Nichterscheinen von Mitgliedern unmöglich gemacht werden, so steht dem Vorstand die Beschlussfassung der für diese Hauptversammlung zu beratenden Gegenstände zu.
§ 20.
Der Vorstand ist zur Berufung der Hauptversammlung gehalten:
a) jährlich mindestens 1 mal im März zur Entgegennahme des Verwaltungsberichtes, der Genehmigung des Rechnungsabschlusses und soweit erforderlich der Wahl eines neuen Vorstandes oder eines Vorstandsersatzmitgliedes;
b) in den Fällen des § 18;
c) auf den schriftlichen, den Zweck der Versammlung erklärenden Antrag von ¼ der Mitglieder hin.
§ 21.
Die Hauptversammlungen sind den Mitgliedern mindestens an den zwei vorhergehenden Tagen durch schriftliche Einladung oder Publikation in der Tageszeitung unter Angabe der Tagesordnung anzuzeigen.
§ 22.
Die Leitung aller Versammlungen steht dem 1.Vorsitzenden oder im Verhinderungsfalle dessen Stellvertreter zu.
Die Versammlungen sind jederzeit beschlussfähig, mit Ausnahme des im § 23 vorgesehenen Falles.
Mit Ausnahme der Wahlen ist die Art der Abstimmung der Versammlung überlassen.
§ 23.
Anträge, welche die Auflösung des Vereins bezwecken, müssen mindestens drei Tage vor der betr. Hauptversammlung den Mitgliedern kundgegeben werden.
Zu einer gültigen Verhandlung über dieselben ist die Anwesenheit von zwei Dritteln der Mitglieder erforderlich; im Falle, dass diese Anzahl nicht erscheint, entscheidet eine weitere Hauptversammlung ohne Rücksicht auf die Zahl der Anwesenden.
§ 24.
Die gewöhnlichen Versammlungen sollen in der Regel alle 4 Wochen stattfinden; dieselben bezwecken die Geselligkeit und den brüderlichen Sinn zu pflegen und Angelegenheiten, die nicht dem Vorstand überwiesen sind, zu besprechen.

VII. Der Vorstand.
§ 25.
Der Vorstand hat die Beachtung der Satzungen under Turn- und Spielordnungen zu überwachen, die Beschlüsse der Versammlungen zu vollziehen, den Verein gerichtlich und außergerichtlich zu vertreten und die in den §§ 17 – 24 angeführten Vereinsangelegenheiten zu besorgen.
§ 26.
Der Vorstand besteht aus 4 auf die Dauer von 6 Jahren gewählten Mitgliedern, nämlich:
a) einem ersten Vorsitzenden,
b) einem zweiten Vorsitzenden,
c) einem Schriftführer,
d) einem Kassier.
§ 27-
Dem Vorstand wird ein Unterausschuss zur Seite gestellt, der gleichfalls auf die Dauer von 6 Jahren gewählt wird, nämlich:
a) je einem ersten Männer- und Frauenturnwart,
b) je einem zweiten Männer- und Frauenturnwart,
c) einem Zeugwart,
d) je einem Spielwart bzw. Spielführer von jeder im Verein vorhandenen Sportart.
Die Vorbezeichneten sind in Ausübung ihrer Tätigkeit lediglich dem Vorstand gegenüber verantwortlich.
§ 28.
Die Wahl der in den §§ 26 und 27 bezeichneten Mitglieder geschieht durch Wahlzettel in der Weise, dass im ersten Wahlgang der 1. und 2. Vorsitzende und im zweiten die Mitglieder des Unterausschusses gewählt werden.
Zur Gültigkeit der Wahlen ist absolute Stimmenmehrheit erforderlich.
§ 29.
Dem Vorstand steht das Recht der Aufnahme der Mitglieder und Ehrenmitglieder und die Ausschließung (§§ 6,11) zu.
§ 30.
Der Vorstand bestimmt auf Antrag des 1. Turnwartes und der Spielführer die Zeit und Dauer der Turn- und Sportübungen.
§ 31.
Der Vorstand beschließt über die Ausgaben, insbesondere für Anschaffung und Unterhaltung der Turn- und Sportgeräte unter Beachtung der Bestimmungen des § 18.
§ 32.
Der Vorstand hat das Recht und die Pflicht, Verstöße gegen die Satzungen, die Turn- oder Spielordnungen und die Beschlüsse der Hauptversammlungen, sowie solche gegen Sitte und Anstand durch mündliche oder schriftliche Rüge zu ahnden, wovon je nach Gutachten des Vorstandes im Protokollbuch Vormerkung zu geschehen hat.
§ 33.
Der Vorstand entscheidet auf Antrag eines Beteiligten über Streitigkeiten unter Vereinsmitgliedern.
Der Vorstand und jedes Mitglied des in § 27 bezeichneten Unterausschusses ist berechtigt und verpflichtet, bei entstehenden Zwistigkeiten auf dem Turn- oder Sportplatze, bei Turnfahrten, Wettspielen und überhaupt bei allen Zusammenkünften der Vereinsmitglieder als solcher, vorbehaltlich weiterer Untersuchung, Ruhe zu gebieten.
§ 34.
Der Vorstand erstattet in der Hauptversammlung im März Bericht über seine Tätigkeit, sowie über den Stand des Vereins und legt den Rechnungsabschluss zur Genehmigung vor.
§ 35.
Der 1. oder der 2. Vorsitzende leiten die Verhandlungen aller Versammlungen und unterzeichnen mit den 2 weiteren Vorstandsmitgliedern alle Urkunden.
Der Männerturnwart, bzw. dessen Stellvertreter leitet die Turnübungen und Turnfahrten und besorgt die Einteilung der Turner in Riegen. Desgleichen die Frauenturnwartin oder deren Vertreterin.
Der Schriftführer für das Protokoll und die Stammliste, unterzeichnet alle Schriftstücke mit den übrigen Vorstandsmitgliedern und sorgt für deren Aufbewahrung, sowie für die Zeitschriften und Bücher.
Der Kassier besorgt die Einnahmen und Ausgaben des Vereins und führt über dieselben eine mit Belegen versehene Rechnung. Nur auf schriftliche Anweisung des 1. Vorstandes oder dessen Stellvertreters leistet er Zahlung.
Der Zeugwart hat über sämtliche Turngerätschaften, bewegliche wie unbewegliche, ein Verzeichnis zu führen und für deren Erhaltung und ev. Neuanschaffung Sorge zu tragen.
§ 36.
Die Vorstandssitzungen werden durch den 1. Vorsitzenden berufen und dieser ist zu dieser Berufung verpflichtet, wenn 2 Mitglieder des Ausschusses eine Sitzung verlangen.
Der Vorstand ist bei Anwesenheit von zusammen 3 Mitgliedern beschlussfähig.

VIII. Auflösung des Vereins.
§ 37.
Die Auflösung des Vereins kann durch Beschluss der Hauptversammlung nach den Bestimmungen des § 23 erfolgen, sie tritt aber von Rechts wegen dann ein, wenn die Zahl der aktiven und passiven Mitglieder nicht mehr als 6 beträgt.
§ 38.
Im Falle der Auflösung des Vereins wird das Vermögen desselben der Stadt Ebern zur Verwaltung übergeben, mit der Bestimmung, solches einem allenfalls später ins Leben tretenden und auf gleichen Grundsätzen begründeten Vereins zu überweisen.
Diese Satzung tritt mit dem heutigen Tage in Kraft.

Ebern, den 1. Juni 1946
Der Vorstand:
May 97. I.Vorstand
Josef Einwag 147
Josef Schmitt II. Vorstand
Dürr Fritz jun.
Heinr. Schmitt
Krebs Hans
Einwag Georg

Kurze Zusammenfassung der Ereignisse im TV Ebern von der Beendigung des Krieges an bis Mitte Oktober 1946 erstellt am 15. Oktober 1946

Durch die Beendigung des unseligen Krieges wurde der TV Ebern aufs Schwerste betroffen. Die Verordnung Nr. 52 der Besatzungsmacht untersagte vorerst jeglichen Turn- und Sportbetrieb und bestimmte, dass alles Vermögen von Vereinen, die dem RBL (Reichsbund für Leibesübungen) angeschlossen waren, als beschlagnahmt gilt. Alles schien hoffnungslos verloren, wenn sich dieser Zustand zu einem Dauerzustand auswachsen würde. Aber die Erfahrung lehrt, dass erst dann alles hoffnungslos ist, wenn die Hoffnung tatsächlich aufgegeben wird. Dies war aber beim TV Ebern nicht der Fall. Wenn auch die in der Kugelfabrik Fischer dahier beschäftigten Fremdarbeiter (Italiener und Polen) den Kinoraum und den Filmapparat beschädigten, wenn auch ausländische Familien längere Zeit im Forster’schen Saale untergebracht waren und die dort befindliche Einrichtung schwer mitnahmen, wenn auch später die etwas mehr oder weniger politisch belasteten, für den Verein fast unersetzlichen Ausbildungskräfte und Vorstandsmitglieder ihre Tätigkeit im Verein beendigen mussten und ein Chaos einzutreten drohte, eine Person war immer noch da, die dem Verein, wie schon bisher in langen Jahrzehnten, nun auch noch in dieser schweren Zeit Stütze und Halt gab. Es war dies der langjährige 1. Vorsitzende des Vereins, Herr George May in Ebern, Hs.Nr. 97. Sein Fühlen und Denken war stets auf das Vereinswohl bedacht und er scheute in dieser Hinsicht keine Opfer und keine Mühe. In seinem Streben konnte er gleichfalls immer wieder auf die tatkräftige Mithilfe seiner ehemaligen treuen Mitarbeiter rechnen.

Der Kinobetrieb, eine wichtige Einnahmequelle des Vereins, liegt nun schon seit April 1945 im argen. In Oktober 1945 richtete deshalb der Vereinsvorstand Georgen May an das Landratsamt in Ebern die Bitte um Auskunft, ob Aussicht bestehen würde, dass der TV Ebern wieder seinen Kinobetrieb eröffnen könnte und ob auch wieder das Turnen und der Sport – wenn auch unter bestimmten Einschränkungen – gepflogen werden dürften. Am 13.11.1945 erfolgte eine neuerliche Anfrage in diesem Sinne.

Nachdem dem Verein längere Zeit kein diesbezüglicher Bescheid zukam, erhielt er unterm 05.12.45 vom Landratsamt Ebern eine Abschrift der Verfügung der Mil. Reg. in Ebern vom 30.11.1945 zugestellt, in der die freigegebenen Sportarten aufgeführt wurden. Bezüglich der Wiedereröffnung des Kinobetriebes erfolgte keine Nachricht.

Der Vorsitzende erhielt nun in der Zwischenzeit Kenntnis von dem Umstand, dass das Landratsamt die Licenz für den ehemaligen Kinobetrieb des TV Ebern dem Sohn des hiesigen Gastwirtes Angermüller übertragen wolle. Da die Übertragung ohne jedwede Rücksprache mit dem Verein stattfinden sollte und der Verein trotz der bestehenden Verordnung Nr.52, nach Rücksprache mit der Mil. Regierung frei über sein Vermögen verfügen konnte, wehrte sich der Verein entschieden gegen die beabsichtigte Maßnahme, zudem Angermüller nicht einmal ehemaliges Mitglied des Vereins war. Der Vorsitzende erwirkte nun eine behördliche Rücksprache mit dem Herrn Landrat Gaeber und beantragte, dass die Licenz einem dem Vereinten angenehmen Partner, nämlich dem Nichtparteimitglied Herrn Jakob in Ebern oder dessen Ehefrau, übertragen würde, da Herr Landrat Gaebert eine Übertragung der Licenz auf den ursprünglichen Besitzer des Kinos, dem TV Ebern, für nicht möglich hielt, da keine juristische, sondern nur eine … für die Übertragung in Frage käme. Umn nun aber trotzdem dem Verein sein Kino zu erhalten, reiste der Vorsitzende des Vereins selbst 2 mal nach München, einige Male nach Würzburg und bei der hiesigen Militärregierung war er schon ein best eingeführter Kunde.

Herr Angermüller bekam die Licenz nicht, aber es entspann sich nun in dieser Angelegenheit ein harter Kampf, denn es kamen allmählich immer mehr Bewerber ans Tageslicht. Nach mehreren Rücksprachen erklärte dann der Herr Landrat, dass er sich nun für eine Licenzerteilung an Herrn Jakob bemühen wolle, aber es geschah in dieser Sache nichts. Die Sache zögerte sich von Monat zu Monat ohne ein positives Ergebnis hinaus.

Im Juni 1946 teilte nun die Ehefrau des schwerkriegsbeschädigten Justizinspektors Dippold in Ebern, Frau Babette Dippold, dem Verein mit, dass ihr mit Verfügung der Militärregierung in Ebern vom 25.05.1946 die Eröffnung des Lichtspieltheaters in Ebern genehmigt worden sei und dass ihr mit Schreiben vom 03.06.1946 auch die Genehmigung zum Erwerb der Kino-Apparatur des Vereins erhalten habe. Sie bitte den Ausschuss des TV Ebern einzuberufen, um über den Erwerb oder die evtl (?) Pachtung des Kinos verhandeln zu können. Unterm 15. August 1946 wurde nun mit Frau Dippold ein Pachtvertrag hinsichtlich der Kinogerätschaften abgeschlossen. Bis jetzt ist aber das Kino noch nicht eröffnet. Wie der Verein erfuhr, soll Frau Dippold bezüglich der Licenzerteilung in München Schwierigkeiten haben. Wie die Angelegenheit sich nun weiterentwickelt, kann noch nicht gesagt werden, doch wäre es endlich einmal Zeit, dass hier eine Klärung eintritt.

Nun zum Turn- und Sportbetrieb selbst!

Bereits in den Zeitungen kommen hie und da Artikel und Aufsätze zum Abdruck, aus denen zu ersehen ist, dass die Besatzungsmächte (besonders die Amerikaner) die Bestrebungen der früheren Sportvereine hinsichtlich der Beschäftigung der Jugendlichen mit Sport, sehr begrüßen würden, um besonders die Jugend vor der allgemein beginnenden Verwahrlosung und Verwilderung zu bewahren und sie von der Straße weg auf die Sportplätze zu ziehen. Sollte sich hier bereits in kurzer Zeit ein Wandel in den Anschauungen der Besatzungsmächte zwischen früher und heute vollzogen haben und ein neuer Hoffnungsstrahl am bisher schwarzverhangenen Horizont sich zeigen? Dies scheint wirklich der Fall zu sein zur Freude aller Anhänger des edlen Sportes. Aber auch noch andere Merkmale deuten auf einen Umschwung hin. So wurde bereits im Frühjahr 1946 ein aus dem TV Ebern hervorgegangener eifriger Sportler, unser ehemaliger Männerturnwart Heinrich Schmitt, Gärtnermeister in Ebern, zum Sportbeauftragten für den Landkreis Ebern vom Bayer. Landessportverband in München bestellt. Damit wurde bereits wieder ein Grundstein zum Neuaufbau der Turn- und Sportsache im Kreis Ebern gelegt. Bereits unterm 7.4. 46 teilte der Sportbeauftragte dem Verein mit, dass eine wichtige Maßnahme zur Aufnahme jeglichen Sportbetriebes möglich sei, nämlich der Abschluss einer Unfall- und Haftplichtversicherung, ferner übersandte er ein Rundschreiben des Bay. Staatsministeriums f. Unterricht u. Kultus über die Neubildung von Vereinen bzw. die Neufassung der alten Vereinssatzungen (Richtlinien!).

Am 01.04.1946 wandte sich die hies. Mil. Regierung an den TV Ebern mit der Anregung, unseren bisher infolge der Kriegsverhältnisse spielunfähig gewordenen Turnplatz auszubauen, um ihn der Jugend, wie überhaupt dem Sport, zur Verfügung stellen zu können. Bereits am 5.4.1946 berief der Vorsitzende eine außerordentliche Versammlung über das vorlg. (vorliegende?) Thema ein und wird über deren Ergebnis auf die Niederschrift vom 5.4.46 in diesem Prot. Buch hingewiesen. Bereits 1 Woche später wurde mit dem Ausbau des Sportplatzes begonnen und der hies. Mil. Regierung von diesem Ereignis Kenntnis gegeben. Das Vorwärtsschreiten der Ausbauarbeiten litt anfangs stark an Arbeitermangel. Als ständige Arbeitskräfte standen nur folgende Personen zur Verfügung: Schumacher Hans und Andreas, Feulner Fritz, Scherer Eugen, … Franz und Müller Burkard. Als Aufsichtsperson u. technischer Berater stellte sich Herr Alfred Swoboda von hier zur Verfügung, der, wie bereits voraus erwähnt werden soll, dem Verein unschätzbare Dienste infolge seiner reichen Erfahrungen leistete. Erwähnt sei aber auch noch, dass sich ein großer Teil der sportbegeisterten Jugend in uneigennütziger Weise freiwillig zum Ausbau des Platzes zur Verfügung stellte und wöchentlich eine Abendschicht …, was wesentlich zum schnelleren Ausbau des Platzes beitrug. Ende September 1946 war der Platzes nun soweit hergestellt, dass bereits am 29.9.46 das erste Fußballverbandsspiel auf dem Platze ausgetragen werden konnte, wenn auch noch verschiedene Verschönerungsarbeiten (Abschrägung von Steilböschungen) notwendig sind.

Die umfangreichen Erdbwegungsarbeiten stellten an die Laienarbeitskräfte große Anforderungen in körperlicher Hinsicht und ihre Leistung ist umso höher zu bewerten, weil die herrschenden Ernährungsverhältnisse für Schwerarbeiter z. Zt. die denkbar schlechtesten sind. Ihnen und allen, die zum Ausbau des Platzes irgendeine Hand anlegten, sei an dieser Stelle gedankt.

Da auf Grund verschiedener Rücksprachen des Vorsitzenden des Vereins mit der Mil. Regierung die Verhältnisse des TV Ebern in Bezug auf seine Aufhebung oder seinen Fortbestand unter der bisherigen Bezeichnung immer noch ungeklärt waren, richtete der Vereinsvorsitzende am 06.04.1946 an die Mil. Regierung die Bitte mit Zulassung des TV Ebern zur Ausübung des Sportbetriebes. Nachdem diese Bitte unbeantwortet blieb, erfolgte unterm 24.05.1946 ein weiterer schriftlicher Antrag mit der Bitte um Erteilung der Zulassungsgenehmigung, damit der Verein für die Fußballabteilung die Anmeldung beim Sportverband betätigen könne. Da der Verein auch hier nichts weiter erfuhr, wurde die in der Hauptversammlung vom 01.06.1946 beschlossene Satzung und die neugewählte Vorstandschaft des TV Ebern der Mil. Regierung in Ebern zur Bestätigung vorgelegt. Unterm 19. Juli 1946 bestätigte diese die neue Vorstandschaft des Vereins und anscheinend auch damit zugleich die eingereichten Satzungen, obwohl dies nicht ausdrücklich aus dem Schreiben vom 19.07.1946 hervorgeht.

In der Zwischenzeit erfolgte nun die Anmeldung der Fußballabteilung des Vereins beim Sportverband. Die 1. Mannschaft wurde in die Liga III des eingereiht, muss sich demnach als Neuling erst ihren Aufstieg in eine bessere Klasse erkämpfen, wozu nach den bisherigen Spielergebnissen beste Hoffnung besteht.

Bis jetzt bestritt die Fußballmannschaft des TV Ebern im Verband folgende Spiele:

  1. Am 22.09.1946 in Scheßlitz. Ebern – Scheßlitz 2 : 1
    Mannschaftsaufstellung: Buss, Löhr, Schmitt Fritz, Schafer, Prahl, Einwag, Schmitt Willy, Dippold, Pfister, Dürr, Sauter
  2. Am 29.09.1946 in Ebern. Ebern – Gundelsheim 0 : 0
    Mannschaft: wie unter Nr. 1
  3. Am 6.10.1946 in Breitengüßbach. Ebern – Breitengüßbach 3 : 2
    Mannschaftsaufstellung: Buss,Löhr, Schmitt Fritz,May Heinrich, Prahl, Einwag, Schmitt Willy, Dippold, Pfister, Dürr, Sauter

Neben der 1. Mannschaft besteht eine 2. Mannschaft. Die 2. Mannsch. spielt bis jetzt noch nicht im Verband. Die Anmeldung ist jedoch erfolgt.

Am 29.09.1946 fand anlässlich des ersten Fußballverbandsspieles auf diesem hies. Sportplatz ein Tanzabend im Forster’schen Saale statt, der sehr gut besucht war und alle Teilnehmer befriedigte, da die neugebildete Eberner Musikkapelle „Kellersch“ flott zum Tanz aufspielte.

Nachdem nun der Fußballsport sein Köpfchen schon etwas heben kann, hoffen wir zuversichtlich, dass nun auch bald wieder die Zeit kommen wird, in der das Geräteturnen wieder betrieben werden kann, denn nach Zeitungsberichten finden ja bereits schon Meisterschaftskämpfe im Geräteturnen statt. Ein erfreuliches Zeichen für die Zukunft. Ein weiterer erfreulicher Umstand ist der, dass sich die hiesige Militärregierung, im besonderen Herr C’ptn. auch für das Geräteturnen interessiert und dem Vereinsvorsitzenden mündlich mitteilen ließ, dass er die Bestrebungen des Vereins in dieser Hinsicht, soweit es in seinen Kräften stehe, unterstützen und für die Besorgung von Turngeräten und für die Zurverfügungstellung des ehemaligen Turnlokales im Streitsgarten eintreten werde. Auf Anregung der Mil. Reg. wurde vom Vereinsvorsitzenden unterm 29.8.1946 ein diesbezügl. Gesuch noch schriftlich der Mil. Regierung vorgelegt. Hoffen wir, dass es bald möglich sein wird, die Jugend auch während der Wintermonate zur deren Nutz und Frommen im Geräteturnen auszubilden, denn von diesem Zeitpunkt ab wären die Sorgen um das Turnen und den Sport verflogen und ein neues Morgenrot würde über alte Ruinen leuchten.

Um alle Vorstandsmitgliedern Kenntnis über die Pachtverhältnisse des Rheins zugeben, wird dir noch folgendes erwähnt: Durch die Initiative des Justizinspektors Scherer in Ebern und im Verein mit den damaligen Vorstandsmitgliedern wurde im Jahre 1927 der damals nur drei Parzellen bestehende Turnplatz, der zwischen der Anlage und dem Bahndamm liegt und nunmehr die Nr. 729 Stgde. Ebern führt, um den Preis von 4000.- RM vom Bäckermeister Herrn Georg Nadler in Ebern erworben. Außer den freiwilligen Leistungen der ehemaligen Turner musste der Verein noch ca. 1500.- RM für gelernte Arbeitskräfte, die im Accordlohn arbeiteten und die meistens aus Gereuth stammten, ausgeben, um den Platz für die damaligen Verhältnisse nur einigermaßen spielfähig zu machen. Später erfolgten weitere Ausgaben, die zum Teil durch Zuschüsse aus der Arbeitslosenversicherung gedeckt wurden. Mit Sorge verfolgte manches Vereinsmitglied damals das Finanzgebaren des Vereins, aber der unermüdliche Einsatz des Werbewartes Scherer, der auch die damaligen Ausbildungskräfte begeisterte und zu höchsten Leistungen anspornte und den Verein im wahren Sinn des Wortes zum ersten Kulturträger im Eberner Landkreis empor hob (die Berichte in diesem Prot. Buch in der Zeit vom Jahre 1926 bis 1934 legen hiervon beredtes Zeugnis ab) enthoben den TV Ebern bald seiner finanziellen Nöte. Möge deshalb bald wieder eine Zeit kommen, in der junge Kräfte des TV Ebern das Erbe der „Alten“ antreten und dem Verein seinen früheren Glanz zurückerobern helfen.

Nach dem Ausbau des Turnplatzes wurde der nicht für Sportzwecke benötigte Teil dem Herrn Scherer ohne schriftliche Niederlegung in einem Pachtvertrag verpachtet. Am 23 April 1942 wurde dann ein schriftlicher Pachtvertrag mit Herrn Scherer abgeschlossen. Der Pachtpreis betrug 10.- RM jährlich für die Gras- und sonstigen Nutzungen der Nr. 729.

Infolge der wirtschaftlichen Verhältnisse (schlechte Ernährungslage und vorläufiges Ausscheiden des Justizinspektors Scherer aus dem Justizdienst) wurde dem bisherigen Pächter durch Nachtrag vom 17.10.1945 zum obenbezeichneten Pachtvertrag die Gras- und sonstigen Nutzungen auf die Dauer von 50 Jahren überlassen, da Herr Scherer auf dem nicht für Sportzwecke benötigten Teil des Platzes eine Obst- und Beerenanlage errichten will. Zugleich wurde dem Pächter ein Vorverkaufsrecht eingeräumt, falls von dem Platz etwas wegveräußert werden sollte. Die Abschrift des Pachtvertrages und des Nachtrages hierzu befindet sich bei den Akten.

Die vorstehend aufgeführten Vergünstigungen wurden dem Herrn Scherer, wie bereits erwähnt, deshalb eingeräumt, weil er sich jederzeit und in uneigennütziger Weise für das Wohl des Vereins eingesetzt und der Verein ihm viel zu danken hat.

Ebern, den 15. Oktober 1946
May 97
Schmitt Joseph
Einwag Josef
W. Eiersheim
Schmitt Heinrich
Krebs Hans
Dürr Fritz jr.

Abschrift om 15. Oktober 1946

Die neugewählten Ausschussmitglieder trafen sich heute im Gasthaus zum Hirschen zu einer kleinen Sitzung. Der Vorsitzende, Herr Georg May HsNr. 97, verlas zunächst einen zusammenfassenden Bericht über die Ereignisse im Turnverein seit Beendigung des Krieges und berichtete dann über die ungeheueren Schwierigkeiten, die bei der Neuzulassung des Vereins überwunden werden mussten. Da für den Verein die alten bewährten Männer infolge ihrer ehem. Parteizugehörigkeit nicht mehr wirken durften, lag die ganze Arbeit ausschließlich in den Händen des Vorstands. Seinem persönlichen, unermüdlichen und uneigennützigen Einsatz hat der Verein für sein neues Bestehen sowie die Erhaltung des alten Vereinsvermögens zu danken. Besonders groß waren seine Bemühungen um die Erhaltung des Kinobetriebes. Leider führten diese Bemühungen noch nicht zum gewünschten Erfolg, da sie von anderen Stellen hintertrieben wurden. Hierüber wird ggf. die Vereinschronik später einmal berichten. Die Ausschussmitglieder baten den Vorstand, in Kinoangelegenheiten weiterhin selbstständig zu handeln und zu entscheiden.

Außerdem wurden verschiedene Vereinsangelegenheiten besprochen, insbesondere die Neubeschaffung der abhanden gekommenen Geräte, über den Sportplatz und den Raum für den Winterturnbetrieb sowie über Mitgliederwerbung auf Grund der neuen Bestimmungen. Feste Beschlüsse wurden jedoch nicht gefasst.

Josef Einwag
May Vorst.

Abschrift vom 16. November 1946

Die heutige Ausschusssitzung fand im Gasthaus zum Hirschen statt. Zunächst berichtete der Vorstand über die letzten Verhandlungen in der Kinoangelegenheit, die noch zu keinem positiven Ergebnis führten. Außerdem lag Vom Fürsorgeamt Ebern ein Schreiben vor, worin der Turnverein angewiesen wurde, eine Jugendgruppe zu gründen. Nach den Bestimmungen ist diese Jugendgruppe dem Verein anzugliedern, jedoch ist sie in der Durchführung des Jugenderziehungsprogrammes selbstständig. Als Leiter der Jugendgruppe wurde Willi Eiersheim vorgeschlagen.

Es wurde beschlossen, den traditionellen Silvesterball in diesem Jahr wieder durchzuführen.

Josef Einwag
May Vorst.

Abschrift vom 26. November 1946

Bei der heutigen Ausschusssitzung, die im Gasthaus Stern stattfand, wurde die Gründung der Jugendgruppe beschlossen. Als Leiter der Jugendgruppe hat sich Willi Eiersheim, als Stellvertreter Peter Möhrlein bereiterklärt. Der Antrag um Lizenzerteilung wurde bei der Militärregierung eingereicht.

Gleichzeitig wurde beschlossen, eine öffentliche Mitgliederversammlung im Forster’schen Saalbau abzuhalten, die zugleich eine Werbeveranstaltung sein soll. Als Tag ist der 15.12. 1946 vorgesehen

Josef Einwag
May Vorst.

Niederschrift über die erste Hauptversammlung des Turnvereins Ebern am 08. Dezember 1946

Heute fand im Hotel zur Eisenbahn die erste Hauptversammlung statt, zu der auch Nichtmitglieder, besonders die schulentlassene Jugend eingeladen waren. Die Einladung hierzu war rechtzeitig an den Anschlagtafeln ausgehängt worden. Bereits 20 Minuten vor Versammlungsbeginn war der Saal gefüllt, sodass die später Kommenden keinen Platz mehr fanden.

Auf der Tagesordnung standen folgende Punkte:
1) Bekanntgabe der Satzungen,
2) Neugestaltung des Turn- und Sportwesens,
3) Gründung der Jugendgruppe,
4) Wünsche u. Anträge.

Um 20.00 Uhr eröffnete der Vorstand, Herr Georg May, die Versammlung und begrüßte die Erschienenen, insbesondere die geladenen Ehrengäste, Herrn Bürgermeister Einwag und Herrn Kreisjugendwart Inspektor Söhnlein. In seiner Ansprache gab er einen kurzen Rückblick über die Tätigkeit des Vereins seit Beendigung des Krieges und über die Schwierigkeiten, die sich bei der Neuzulassung des Vereins ergaben. Dabei dankte er der Fußballabteilung, die dem Verein durch die bisherigen Spielerfolge Ansehen und Antrieb brachte. Ebenso dankte er den Männern, die in monatelanger, schwerer Arbeit den Sportplatz zu einem Mustersportplatz ausbauten.

Anschließend wurden durch den Schriftführer die neuen Satzungen verlesen.
Als nächster sprach der 2. Vorstand, Herr Josef Schmitt über die Neugestaltung des Turn- und Sportwesens. Zunächst hob er die Verdienste des 1. Vorstandes, Herrn Georg May hervor, dem es allein zu danken ist, dass der Verein ins Leben gerufen wurde. Dann sprach er vom sittlichen Verfall und der sinkenden Moral der Jugend und zeigte die Wege, die bestritten werden müssen, um eine an Seele und Leib gesunde und starke Jugend zu erziehen. Der Redner forderte, dass die Turnhalle, die noch von einer Firma belegt ist, auf schnellstem Wege geräumt wird, damit endlich der Turnbetrieb wieder aufgenommen werden kann.
Im Verein werden in Zukunft 4 Gruppen sportlich wirken, nämlich die Fußball-Abteilung, die Geräteturner-Abteilung, die Frauen-Abt. und die Jugendgruppe. Zum Schlusse seiner Ausführungen rief er die Jugend auf, dem Verein beizutreten und ans Werk zu gehen mit dem alten Turnerspruch: frisch, froh, fromm, frei.

Auch Bürgermeister Einwag wies auf die Notwendigkeit und die hohe Aufgabe des Turnvereins hin, dem es obliegt, die jungen Menschen neben Körperbildung zu Anstand, Sauberkeit und Würde zu erziehen. Der gute Ruf des Turnvereins muss wieder in die Allgemeinheit dringen! Er gab die Versicherung, dass dem Verein von Seiten der Stadtverwaltung jede Unterstützung zuteil wird und machte den Vorschlag, eine Turnhalle zu bauen. Das erforderliche Bauholz wird von der Stadt bzw. dem Bürgerwald gestellt, während sich für die Beschaffung der übrigen Baustoffe im gegebenen Fall Wege finden ließen. Seine Ausführungen wurden mit lang anhaltendem Beifall aufgenommen.

Der Leiter der Jugendgruppe Willi Eiersheim sprach über den Aufbau und die Aufgaben der Jugendgruppe. Gerade auf die Jugendgruppe wird von Seiten der Militärregierung größter Wert gelegt. Eiersheim verlas dann die Satzung der Jugendgruppe und entwickelte das Programm für die körperliche und geistige Bildung der Jugend. An die Jugend richtete er den Appell, in die Gruppe einzutreten.

Kreisjugendwart Söhnlein hob die besonderer Bedeutung der Jugendgruppe hervor. In den Jahren seit 1933 ist der Sport entwertet und wurde dazu ausgenutzt, die Jugend zu Soldaten heranzuzüchten. Heute gilt es, den Sport auf friedliche Ziele zu richten und nach sittlichen Grundsätzen zu betreiben. Neben körperlicher Kraft muss dies sittliche, moralische Kraft gebildet und gefestigt werden, denn nur wo sich diese beiden Kräfte vereinen, ist der Zweck des Sportes erreicht.

Franz Reich, Leiter der Fußballabteilung dankte dem Vorstand für seine Aufopferung für den Ausbau des Sportplatzes. Hierauf gab er einen Überblick über den Stand der Verbandsspiele sowie einen Umriss über die Klasseneinteilung. Zum Schlusse seiner Ausführungen sprach er die Bitte aus, die Spiele fleißig zu besuchen und die einheimische Mannschaft sportlich anzufeuern.

Die Kapelle Kellersch Ebern spielte zwischen den einzelnen Reden flotte Märsche und beschwingte Melodien.

Zu Punkt 4 der Tagesordnung stellte Franz Reich den Antrag, den Sportplatz mit einer Planke zu umgeben. Dem Antrag wurde stattgegeben.
Um 22.30 wurde die Hauptversammlung, die einen äußerst eindrucksvollen und harmonischen Verlauf hatte, vom 1. Vorstand geschlossen.

Josef Einwag, Schriftführer
May Vorst.
Schmitt Joseph
W. Eiersheim
Schmitt Heinrich
Denk Georg
Krebs Hans

Abschrift vom 01. Januar 1947

Der traditionelle Silvesterball wurde wieder im Saalbau Forster abgehalten. Der Besuch war außerordentlich gut, und bereits 10 Minuten nach Saalöffnung waren alle Plätze besetzt. Trotz aller Schwierigkeiten, die sich heute bei solchen Veranstaltungen einstellen, war der Saal dank des Einsatzes in organisatorischer und materieller Hinsicht unseres 2. Vorstandes, Herrn Josef Schmitt, geschmackvoll geschmückt, sodass der Ball einen der Tradition würdigen und vornehmen Charakter hatte. Wenn auch die Voraussetzungen für gute Stimmung – Alkohol und ein kräftiges Menü – fehlten und statt dessen nur „Alkohol-Erinnerungssaft“ (Dünnbier) verabreicht wurde, so war doch die Stimmung bei Alt und Jung vorzüglich. Hierzu trug auch die flotte Kapelle Kellersch bei, die sehr fleißig alte und von neuzeitliche Tänze aufspielte, sodass alle auf ihre Rechnung kamen. Erst morgens um 5 Uhr wurden die „Unentwegten“ mit einem schneidigen Marsch zum Saal hinausgespielt.
Gg. May 1. Vorst.
Josef Eintrag

Abschrift vom 18. Februar 1947

Am Rosenmontag hielt dir Turnverein ein Tanzkränzchen ab unter dem Motto „Frühlingsfest“. Obwohl nur Mitglieder nebst Familienangehörigen Eintritt hatten, war der Saal weit überfüllt. Durch die zahlreichen Masken und Kostüme und durch die frühlingsmäßige Kleidung bot sich ein recht buntes Bild, das wesentlich zur Faschingsstimmung beitrug. Während einer Tanzpause zeigten die Vereinsmitglieder Frl. Hildegard Kujath und Herr Walter Erne höchste Kunst im Rollschuhlaufen; das Paar erntete dafür großen Beifall.

Der Tanz dauerte bis in den frühen Morgen hinein. Die Musik stellte die Kapelle Kellersch.

Gg. Mav 1.Vorst.
Josef Einwag

Abschrift vom 13. Juli 1947

Auf dem Sportplatz fand heute ein Sportfest der lizenzierten Jugendgruppen des Landkreises statt, zu dem die Jugendgruppe des Turnvereins Ebern das stärkste Aufgebot stellte. Bereits am Vorabend wurden in Ebern und Baunach durch Turniere die 2 besten Jugendmannschaften im Fußball für das Endspiel am Sonntag ermittelt. Sieger wurde in Ebern die Jugendgruppe Ebern, in Baunach die Jugendgruppe Baunach. Im Entscheidungsspiel um die Kreismeisterschaft unterlag die Eberner Mannschaft knapp mit 2 : 1 Toren.

Am Sonntag früh 9 Uhr wurden ein volkstümlicher Dreikampf, ein Fußballdreikampf, ein Gerätevierkampf und 100 m Einzellauf durchgeführt. Nachmittags fanden vor dem Fußballspiel Staffeläufe statt, bei denen die Eberner Jugendstaffel Sieger blieb.

Jos. Schmitt, Vorsitzender
Josef Einwag, Schriftführer

Abschrift vom 21. September 1947

In der heutigen Ausschusssitzung, die im Gasthaus Berwind stattfand, wurde das Vorstandsmitglied Josef Einwag beauftragt, die auf dem Sportplatz gelagerten 18 m Kanalröhren vorläufig bei sich sicher zu stellen. Über die Weiterverwertung der Röhren entscheidet zur gegebenen Zeit der Vereinsausschuss.

Der Leiter der Jugendgruppe, Willi Eiersheim, berichtete von der Unterredung, die er mit Capt. Ton(?)lin von der Militärregierung wegen Errichtung eines Jugendheimes hatte. Der Ausschuss stimmte den Plänen des Capt. Ton(?)lin zu und ist außerdem bereit, im Verwirklichungsfalle auch geldiche Unterstützung zu gewähren.

Es wurde auch der Beschluss gefasst, nun endlich die bereits seit März 1947 fällige Generalversammlung zu halten. Der genaue Tag konnte noch nicht festgelegt werden.

Josef Schmitt, Vorsitzender
Einwag, Schriftführer

Abschrift vom 17. Oktober 1947

Im Gasthaus Berwind fand heute eine Ausschusssitzung statt, bei der für die Generalversammlung der Tag sowie die Tagesordnung festgelegt wurden. Die Generalversammlung findet am Donnerstag, den 23.10.47 um 20.00 h im Saale Gasthaus zum Hirschen statt. Die Anzeige geschieht durch den „Fränkischen Tag“ sowie durch Plakatanschlag.

Außerdem wurde beschlossen, bei der Generalversammlung den seitherigen Vereinsvorstand Herrn Georg May 97 wegen seiner besonderen Verdienste um die Erhaltung des Vereins zum Ehrenvorstand in Vorschlag zu bringen.

Jos. Schmitt, Vorsitzender
Josef Einwag, Schriftführer

Niederschrift über die Mitglieder – Generalversammlung – Turnvereins Ebern vom 23. Oktober 1947

Die heutige Generalversammlung war durch Ausschreiben im Fränkischen Tag und durch Plakatsanschlag rechtzeitig bekannt gegeben. Zur festgesetzten Stunde hatten sich im Versammlungslokal – Saal Gasthof zum Hirschen – 68 Mitglieder eingefunden (stimmberechtigte).

Die Tagesordnung war folgende:
1. Rechnungslegung,
2. Neuwahl,
3. Änderung der Satzungen (§ 28)
4. Wünsche und Anträge

Herr Josef Schmitt 2. Vorstand eröffnete die Generalversammlung:
„Ich eröffne die heutige Generalversammlung und heiße sie alle herzlich willkommen. Ich danke für Ihr Erscheinen und grüße Sie im Namen der Vorstandschaft. Es obliegt uns zuerst die Pflicht, derer zu gedenken, die aus unserer Mitte für die Heimat gefallen sind. Ich bitte Sie zum Zeichen der Trauer und der Verehrung, sich von den Sitzen zu erheben. Wir wollen auch jener Mitglieder gedenken, die sich noch in Gefangenschaft befinden, wir wünschen Ihnen von Herzen eine baldige Heimkehr!“

Dann streifte er noch die Arbeit des Vereins im letzten Jahre seit der Neulizenzierung und wies darauf hin, wie groß die Schwierigkeiten waren und dass dem Verein mancher Erfolg versagt blieb (Bauen einer Sporthalle!).

Bevor er zur Tagesordnung überging, gedachte er dem bisherigen I. Vorstand Hernn Georg May, der volle 40 Jahren die Geschicke des Vereins mitbestimmte. „50 Jahre sind bereits verflossen, seitdem ein schneidiger blonder Jüngling von kaum 18 Jahren im Turnverein als aktives Mitglied aufgenommen wurde. Nach einigen Jahren schon war er I. Turnwart und somit im Ausschuss tätig. Vor 15 Jahren wurde unser allerseits beliebter, froher und gerechter Herr Georg May zum I. Vorstand gewählt. Wir können kaum ermessen, welch eine Unsumme von Arbeit dem Verein gewidmet wurde. Eine unbändige Lieb’ zur Turnersache kann nur diese Ausdauer vollbringen. Seine nie erlahmende Tatkraft hat es zu Wege gebracht, den Verein neu erstehen zu lassen. Da Herr Georg May infolge seines hohen Alters um seinen Rücktritt gebeten hat, wurde vom Ausschuss in der letzten Sitzung beschlossen, Herrn Georg May zum Zeichen des Dankes und der Anerkennung zum Ehren-Vorsitzenden zu ernennen. Um die Ehrung vollständig zu gestalten bedarf es noch der Einwilligung der Generalversammlung. Zum Zeichen der Anerkennung begebe ich Sie mit „ja“ zu stimmen, wer für diesen Vorschlag ist, bitte ich sich zu erheben!“

Daraufhin erhoben sich sämtliche Anwesenden und der Vorschlag Herrn Georg May zum Ehren-Vorsitzenden zu ernennen, wurde somit einstimmig angenommen. Wegen Zeitmangels schlug dann der Redner noch vor, in den nächsten Wochen einen Ehrenabend zu veranstalten, um diese außerordentliche Ehrung zu feiern.

1. Hierauf wurde in die Beratung und Prüfung zu Punkt 1 der Tagesordnung übergegangen. Die Prüfung der Vereinskasse und der Rechnung durch Herrn Kellersch gab zur Beanstandung keinen Anlass. Dem Kassier Herrn Nikolaus Müller wurde der Dank der Versammlung für die 18 jährige, mustergültige Kassaführung ausgesprochen.
Einnamen: 24.622,14.- RM
Ausgaben: 7.018,25.- RM

2. Punkt 2. Auf Anordnung des Vorstandes hin wurde durch Herrn Scherer und vier weiteren Turnbrüdern ein Wahlausschuss gebildet.
Die hierauf vorgenommene Wahl des Vorstandes hatte folgendes Ergebnis:
1. Vorsitzender: Murr Josef (mit 38 Stimmen)
2. Vorsitzender: Einwag Hans (mit 45 Stimmen)
Schriftführer: Bandorf Hans (mit 40 Stimmen)
Kassier: Kellersch Willi (mit 49 Stimmen)
I. Turnwart: Einwag Georg (mit 46 Stimmen)
Jugendturnwart: Kuhmann Traugott (mit 50 Stimmen)
Zeugwart: Schmitt Adam (mit 35 Stimmen)
Spielführer für die Fußballabteilung: Reich Franz (mit 42 Stimmen)
I. Frauenturnwartin: Schmitt Ottilie (mit 46 Stimmen)

Die Wahl wurde von den Neugewählten angenommen.

3. Punkt 3 Satzungsänderungen:
Die Satzungsänderung des § 28 im Text nachfolgend wurde einstimmig angenommen.

Satzungsänderung:
Der § 28 der unter dem 1. Juni 1946 errichteten Satzung des TV Ebern erhält folgende Fassung:
„Die Wahl der in § 26 bezeichneten Vorstandsmitglieder und des in § 27 Buchstabe c bezeichneten Zeugwartes geschieht durch Wahlzettel. Zur Gültigkeit der Wahl ist einfache Stimmenmehrheit erforderlich.
Die Wahl der in § 27 bezeichneten Personen (mit Ausnahme des Zeugwartes) geschieht durch die Mitglieder der einschlägigen Abteilungen bzw. durch alle über 18 Jahre alte in der betreffenden Abteilungssitzung anwesenden Pers. Mitglieder des TV Ebern. Die Wahl kann durch Stimmzettel oder Akklamation erfolgen.
Die gewählten Abteilungsleiter haben dem Vorstand unverzüglich ihre Bestellung bekannt zu geben.“

4, Punkt 4 Wünsche und Anträge:

Herr Josef Schmitt äußerte den Wunsch, wird eine Amtshandlung eines Ausschussmitglieds während der Arbeitszeit notwendig, so soll ihm die verlorene Arbeitszeit durch den Verein vergütet werden.

Auf diesen Wunsch wurde nicht näher eingegangen, da darüber der Ausschuss entscheidet.
Zum Schluss sprach der neugewählte I. Vorstand Herr Josef Murr für das Vertrauen der Versammlung seinen Dank aus und gelobte sich mit allem Fleiß und großer Liebe für die Ziele des Vereins einzusetzen.

I. Vorstand: J. Murr
II. Vorstand: Hans Einwag
Kassier: Kellersch
Schriftführer: Bandorf

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