Chronik des TV Ebern – schwieriger Neuanfang vor 60 Jahren

Schwieriger Neuanfang vor 60 Jahren

Am 19. Januar 1936 fand die letzte offizielle größere Veranstaltung des TV Ebern statt und seit diesem Zeitpunkt ruhte die ersprießliche Arbeit des Vereins“, schreibt der damalige Schriftführer Hans Scherer am 20. Mai 1946.  Im Protokollbuch findet sich seit dem Bericht über die damalige Mitgliederversammlung  bis zu Scherers „Rundblick“ kein weiterer Eintrag. Wie schwierig in den ersten Nachkriegsjahren die Situation für den Verein war, zeigen dann die folgenden, zum Teil umfangreichen Ausführungen. Da der Verein seit 1935 dem Reichsbund für Leibesübungen (RLB) angeschlossen war, wurde von der Militärregierung vorerst jeglicher Turn-  und Sportbetrieb untersagt. „Alles schien hoffnungslos verloren.“ Aber, wie es in einem zusammenfassenden Überblick heißt, „eine Person war immer noch da, die dem Verein in dieser schweren Zeit Stütze und Halt gab. Es war dies der langjährige 1. Vorsitzende des Vereins, Herr Georg May.“

Georg May stellte bereits am 19. Juli 1945 einen Antrag an die Militärregierung, der in einer Kopie erhalten ist, mit der Bitte, das Vereinsvermögen freizugeben und das Weiterbestehen des Turnvereins zu genehmigen. Der Verein habe nie politische Ziele verfolgt; auch als er sich dem RLB anschließen musste, habe sich der Verein nicht politisch betätigt. Aber erst neun Monate später, als Captain W. Jones, Direktor des Amtes der Militärregierung für den Landkreis Ebern, am 1.April 1946 das Landratsamt anwies, dafür zu sorgen, dass die Jugend wieder Sport treiben könne, kam Bewegung in die Angelegenheit. Jones schrieb: „Um die Jugendlichen unter 14 Jahren von der Straße fern­zuhalten und vor Unglücksfällen zu bewahren wird im Landkreis Ebern eine Art Sportplatz benötigt. Das größte Problem bildet gegenwärtig die Erziehung der Jugend Deutschlands. Durch die Schaffung eines Platzes, auf dem alle Sportarten ausgeübt werden können, ist der erste Schritt zur Neuerziehung der Jugend getan. In Ebern sind mehrere Grundstücke, die für solch einen Sportplatz benutzt werden können. Dieses Land ist für landwirtschaftliche Zwecke nicht zu verwerten; z.B. der Müllabladeplatz ent­lang der Eisenbahnstrecke hinter dem Landratsamt.“

90 Jahre TV Ebern - Festzug am Marktplatz

90 Jahre TV Ebern - Festzug am Marktplatz

Bereits vier Tage nach diesem Schreiben wurden auf einer außerordentlichen Versammlung die notwendigen Schritte unternommen. An dieser Versammlung nahmen auch Landrat Gaebert und Schulrat Hoch teil. Vorsitzender May war der Meinung, man müsse den Verein neu gründen und schlug deshalb vor, den TV in Turn- und Sportverein (TSV) umzubenennen. Als Landrat Gaebert von der langjährigen Geschichte des Vereins erfuhr, versprach er sich dafür einzusetzen, dass der alte Name erhalten bleiben dürfe. Dann ergriff Schulrat Hoch das Wort, „um in zündender Rede die Jugend für den freiwilligen Einsatz beim Ausbau des Sportplatzes zu begeistern. Sein Appell fiel auf fruchtbaren Boden, denn alle waren zum Einsatz bereit.“ Kurz danach wurde mit dem Ausbau begonnen und am 29.September fand bereits das erste Fußballspiel in Ebern gegen Gundelsheim statt. Die Mannschaft spielte in derselben Aufstellung wie beim ersten Spiel nach dem Krieg in Scheßlitz eine Woche zuvor, das Ebern übrigens mit 2:1 gewann. Im Protokollbuch findet sich auch die Mannschaftsaufstellung mit Buss im Tor, Löhr und Schmitt Fritz als Verteidiger, Schafer, Prahl, Einwag als Läufer und Schmitt Willy, Dippold, Pfister, Dürr, Sauter als Stürmer. Nach dem ersten Heimspiel veranstaltete der Verein einen  Tanzabend im Forster-Saal mit der neu formierten Eberner Musikkapelle „Kellersch“.

Da die Militärregierung, besonders Capt. Jones, am Geräteturnen interessiert war und versprach, den Verein bei der Anschaffung der Geräte und der Nutzung des ehemaligen Turnlokales im Streitsgarten zu unterstützen, formulierte der Schriftführer zuversichtlich, ja fast poetisch: „Nachdem nun der Fußballsport sein Köpfchen schon etwas heben kann, hoffen wir zuversichtlich, dass nun auch bald die Zeit kommen wird, in der das Geräteturnen wieder betrieben werden kann…  Hoffen wir, dass es bald möglich sein wird, die Jugend auch während der Wintermonate zu deren Nutz und Frommen im Geräteturnen auszubilden, denn von diesem Zeitpunkt ab wären die Sorgen um das Turnen und den Sport verflogen und ein neues Morgenrot würde über alte Ruinen leuchten.

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