Die Turner wollen’s im Jubeljahr 2013 krachen lassen

150. JUBILÄUM – Der zweitgrößte Verein im Kreis tanzt zwar nicht mehr an Silvester.Dafür ist der Turnverein Ebernmit anderen Bällen und in vielen sportlichen und gesellschaftlichen Bereichen aktiv.

Silvesterball des TV Ebern mit Raketen

Silvesterball des TV Ebern mit Raketen

„Leider ist für Silvester nichts besonderes geplant,“ gesteht Vorsitzender Karl-Heinz Krebs: „Es wäre ein guter Zeitpunkt gewesen.“ Doch kaum ist Weihnachten vorbei, stecken die Sportler des Turnvereins Ebern schon wieder mitten im Wettkampfgeschehen: Die Fußballer sind vom 4. bis 6. Januar durchgehend mit Hallenturnieren für Schüler-, Jugend- und Herrenmannschaften beschäftigt, die Schwimmer halten am 11. Januar ihr Jahresabschluss-Treffen und bei den Handballern, Volleyballern, Keglern, Tischtennisspielern läuft der volle Spielbetrieb.

Zur Ruhe kommt ein Verein, der sich die Bewegung auf die Fahne geschrieben hat, eigentlich nie. Auch und erst recht nicht zum 150. Jubiläum.

In den kommenden Monaten will derTurnverein richtig einen drauf machen, unter anderem mit verschiedenen sportlichen Wettbewerben, einem großen Kommers, einem Festwochenende und einer Sportgala.

Von der Turnbewegung erfasst

Der mit mehr als 1370 Mitgliedern zweitgrößte Verein im Landkreis will zeigen, was er drauf hat. Und das ist weitaus mehr als in den Anfangsjahren um 1860, als der frisch- fromm-fröhlich-freie Sportsgeist eines Turnvater Jahn ganz Deutschland mobilisierte. Ab 1863 traf sich Eberns Jugend im Verein zu Leibesübungen an Reck und Barren. „Turner“ nennt man sie bis heute, doch die TV-Aktiven haben längst auch die verschiedensten Ballsportarten für sich erobert und sind zu Wasser, an der grünen Platte auf dem Schachbrett und – nicht zuletzt – auf dem gesellschaftlichen Parkett erfolgreich.

Legendär waren die Silvesterbälle. Sie zählten zu den vornehmsten und wichtigsten gesellschaftlichen Veranstaltungen in der Stadt. In der Zeit kurz nach 1900 sind diese Bälle in den Protokollbüchern belegt, die über mehr als ein halbes Jahrhundert lang für einen schwungvollen Jahreswechsel in Ebern sorgten. Ballsaalwar der Saalbau Forster, der in den frühen Jahren auch als erster Turnsaal diente.

Weihnachtsfeier TV Ebern Fussball aus dem Jahr 1946

Weihnachtsfeier TV Ebern Fussball aus dem Jahr 1946

Die Bälle überlebten auch den Zweiten Weltkrieg und müssen ungeheuer beliebt gewesen sein: Im Januar 1947 ist dazu im Protokollbuch vermerkt: „Der Besuch war außerordentlich gut, und bereits zehn Minuten nach Saalöffung waren alle Plätze besetzt.“ Der Protokollführer erwähnt, dass auch damals schon „Platzaufheber“ im Einsatz waren, die Stühle für später eintreffende Ballgäste reservierten, sodass „so mancher alte Turnbruder keinen anständigen Platz mehr bekam“. Damals zählte der TV etwa 600Mitglieder und man dachte sogar darüber nach, die Veranstaltungen auf zwei Säle aufzuteilen.

Der TV sorgte trotz der Not nach dem Krieg dafür , „dass der Ball einen der Tradition würdigen und vornehmen Charakter hatte“. Die Kapelle „Kellersch“ spielte „alte und neuzeitliche Tänze auf“ und Josef Schmitt, Begründer des Schreib- und Spielwarengeschäftes Schmitt-Zehender zauberte das Material aus seinem Fundus, um „trotz aller Schwierigkeiten, die sich heute bei solchen Veranstaltungen einstellen“, den Saal geschmackvoll zu schmücken.

Als Manko wurde allerdings beklagt, dass die Voraussetzungen für gute Stimmung – Alkohol und ein kräftiges Menü – fehlten.“ Als „Alkohol-Erinnerungssaft“ sorgte Dünnbier für Stimmung. Zudem merkt der Chronist 1948 an: „Mancher, der es sich leisten konnte, hat sich selber irgendwo einen kleinen Trunk besorgt und zum Ball mitgebracht“. Heute wäre das verpönt.

Die Eberner tanzten bis in den Morgen hinein. Laut Protokoll von 1948 wurden „erst morgens um 5 Uhr die Unentwegten mit einem schneidigen Marsch zum Saal hinausgespielt“.

Unerwartete Widrigkeiten

Festumzug des TV Ebern im Jahr 1963 am Marktplatz in Ebern

Festumzug des TV Ebern im Jahr 1963 am Marktplatz in Ebern

Wegen der Maul- und Klauenseuche herrschte zum Jahreswechsel 1948/49 Tanzverbot, weswegen der TV statt des Balles eine Silvesterveranstaltung mit humoristischen Einlagen“ plante. Diese Lachnummern sollten „von geeigneten Turnbrüdern aus der Fußballabteilung gestartet“. Für die Musik wollte „Turnbruder Traugott Kuhmann sorgen und einen Komiker aus Mürsbach verpflichten. Zum Eintrittspreis von 1 DM war also viel geboten.

Zur Eröffnung des Heiligen Jahres hatte Stadtpfarrer Wilhelm Haller an Silvester eine Mette angesetzt, weshalb die Turner 1950 ihren Silvesterball um einige Tage verschieben mussten.

1963, im Jahr des 100-jährigen Bestehens, fand der letzte Silvesterball des TV statt.

Neuerdings gibt es zwar wieder Tänzer in Kreisen des TV, aber die Bälle lässt man heute lieber auf dem Spielfeld tanzen.

Die Pläne und Termine im Jubeljahr

  • 4. bis 6. Januar Hallenturniere der Fußballer
  • 10. Februar Faschingstanz der Kicker
  • 27. April Vereinsehrenabend
  • 2. Mai Stadtmeisterschaft im Kegeln
  • 11. Mai Volleyball-Freizeitturnier (zum 25.Mal)
  • 5. bis 7. Juli Festwochenende; Kommersabend und Bilderschau mit historischen
    Aufnahmen
  • 13. Juli Bambini-Fußballturnier
  • 27. Juli Handball-Turnier zum Altstadtfest
  • 19. Oktober Sportgala

Ausstellung

Für eine Sonderschau im Heimatmuseum werden noch Exponate rund um den Sport gesucht (Trikots und Fußballschuhe, Sportgeräte, Bilder, Plakate…). Froh wären die Organisatoren, wenn sie einen alten Siegerkranz aus Eichenlaub auftreiben könnten.

Weitere Pläne

Der Veranstaltungsreigen, den man natürlich gerne auch mit einigen Meisterfeiern in den verschiedensten Abteilungen bereichern möchte, ist längst nicht komplett. So bemühen sich die TV-Schwimmer darum, die Kreismeisterschaft im Schwimmen im Sommer im städtischen Freibad austragen zu können.

Abdruck mit freundlicher Genehmigung
Zeitungsbericht vom 30.12.2012 des Fränkischen Tag; Artikel von Eckehard Kiesewetter

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