Trampolinsport beim TV Ebern

Große Sprünge für den TVE

Jutta Benthe hat als „junge Hüpferin“ beim TV Ebern große Erfolge im Trampolinsport gefeiert. Die einstige Vorzeige-Sportlerin des Turnvereins erinnert sich.

„Ich eröffne den …Kneip-Abend nach Zeitrechnung Jutta.“ Ein Spruch, den die Turnerinnen und Turner des TV Ebern in den 60er Jahren häufig zu hören bekamen. Gemeint war Jutta Benthe, die erfolgreiche Trampolinspringerin.

Jutta Benthe - ehemalige Trampolinsportlerin des TV Ebern

Jutta Benthe – ehemalige Trampolinsportlerin des TV Ebern

Der „Kneip-Abend“ war natürlich keine Veranstaltung nach den Vorstellungen des Pfarrers Sebastian Kneipp, sondern ein Kneipenbesuch nach der Turnstunde und eingeläutet wurde er regelmäßig von Werbewart und Vorstandsmitglied Wilfried Mölter, kurz von allen nur liebevoll „Schnippi“ genannt.

Und Jutta Benthe, die im August 67 Jahre alt wird, startete so richtig durch auf dem Trampolin. Saltos und Schrauben waren ihre Welt von dem Moment an, als sie sich für diese Art von Turngerät entschieden hatte.

Aber wie kam es eigentlich dazu? Aufgewachsen in Michelau, zog Jutta Benthe, die damals noch Kellner hieß, 1964 mit ihrer Familie nach Ebern. „Mein Vater war Leiter der Standortverwaltung in der Kaserne,“ beschreibt sie die Umstände.

„Eines Tages meinte er: „Mädchen, du musst unter die Leute,“ und so fing alles an. Total angesagt war damals der Turnverein, in dem sich Eberns Jugend tummelte. Anmeldung im TV Ebern, ganz kurz allgemeines Geräteturnen, erinnert sich Benthe, und dann kam schon der Wechsel zum Trampolin und die erfolgreiche Jagd nach Titeln. Als „junge Hüpferin“ hat sie es zu einer der erfolgreichsten Sportlerinnen in der 150-jährigen Geschichte des Turnvereins Ebern gebracht.

Import aus den USA

Jutta Benthe kopfüber beim Trampolinspringen

Jutta Benthe kopfüber beim Trampolinspringen

Voraussetzung war ein Großtrampolin, das der Verein sich just im Jahr 1964 geleistet hatte. 3000 Mark wurden damals in das Gerät investiert, das der Verein direkt aus den Vereinigten Staaten importierte. „Es war das erste Großtrampolin im Turngau Süd-Oberfranken“, ist dazu in der Vereinschronik zu lesen.

Jutta Benthe spricht heute fast beschämt über ihre Plätze auf dem Siegerpodest: „Ich nahm und nehme das alles gar nicht so wichtig. Es war einfach eine schöne Zeit und dabei sind tolle Freundschaften entstanden.“

Eine dieser Freundschaften führte sie 1966 letztlich sogar bis an den Traualtar. Walter Benthe, ebenfalls erfolgreicher Turner im TV, eroberte sie zwar nicht im Sturm, dafür aber durch Beharrlichkeit. Drei Kinder und neun Enkelkinder (das zehnte ist bereits unterwegs), entstammen dieser Turnerehe.

1968, kurz nach der Geburt des ersten Sohnes, zog das Ehepaar nach München und das war somit auch das Aus fürs Trampolinspringen. „Eigentlich habe ich das immer bedauert, aber es gab einfach keine Möglichkeit mehr für mich,“ beschreibt Jutta Benthe ihre Gefühle.

Autogramm von Pele

Sehr gut im Gedächtnis geblieben ist ihr zum Beispiel der Besuch der Grünwalder Sportschule: „Die hatten zufällig gerade die brasilianische Fußballnationalmannschaft zu Gast. Natürlich haben wir uns von Pele sofort ein Autogramm geholt.“ Jutta Benthe absolvierte hier den Leistungslehrgang im Trampolinspringen. Zur gleichen Zeit legte ihr Mann die Kampfrichterausbildung ab.

Und dann erinnert sie sich schmunzelnd an eine Begebenheit während eines Wettkampfes, bei dem Turner der Bundesländer Bayern und Rheinland-Pfalz gegeneinander antraten: „Man musste immer genau zehn Sprünge absolvieren.

Walter war da schon Kampfrichter und sollte laut mit zählen. Bei acht hat er einfach aufgehört und ich natürlich auch. Das machte sich in der Wertung gar nicht gut,“ verrät sie lachend, und ihr Gatte wirft noch schnell ein: „Ich glaube, du hast einfach dein Programm anders geturnt und das hat mich durcheinander gebracht.“

Ihren weiteren Erfolgen tat dies aber keinen Abbruch. Unter anderem kam sie bei den ersten Oberfränkischen Trampolin-Meisterschaften in Kronach auf den ersten Platz.

Bayerische Meisterschaft in Ebern

1967 war deshalb ein denkwürdiges Jahr in der Vereinsgeschichte des TV Ebern, weil der Verein die Ausrichtung der 5. Bayerischen Meisterschaften im Trampolinspringen ausrichten durfte.

Der Kugelfischersaal platzte aus allen Nähten und etwa 400 Zuschauer starrten gebannt auf die rund 40 Springer, die im Einzel-, Mannschafts- und Synchronturnen ihr Können bewiesen. Jutta Benthe, auf der die Hoffnungen des Vereins ruhten, enttäuschte nicht. Sie landete auf einem beachtlichen, fünften Platz.

Und wenn man sich heute vorstellt, dass damals in so manchen Hallen die Decken für diese Art von Wettkämpfen oft nicht hoch genug war und man förmlich den Kopf einziehen musste, so sind diese Leistungen umso beachtlicher.

„Früher sprang man so etwa vier Meter in die Höhe, heute schaffen es erfahrene Turner bis auf ganze neun.“ Angefangen habe sie mit einfachen Sprüngen, aber selbst hier hätten vier Turner außen um das Trampolin gestanden, um sie, falls sie zu weit am Rand aufkäme, wieder nach innen zu drücken.

„Dabei habe ich mich einfach total sicher gefühlt,“ beschreibt sie ihre Anfänge. In der Grünwalder Sportschule sei sie dann mit einer „Longe“ gesprungen, um sich abzusichern. „Allerdings gab es bei den Wettkämpfen weder ein Longe, noch Kollegen, die einen hätten auffangen können. Da musste jeder Sprung einfach sitzen.“

Maria Stahl (geborene Spitlbauer) beim Trampolinspringen

Maria Stahl (geborene Spitlbauer) beim Trampolinspringen

Auf die Frage, wer ihr denn überhaupt das Trampolin-Springen beigebracht habe, kommt die Antwort prompt: „Anfangs war es Maria Spitlbauer, später dann der Übungsleiter Alfons Müller.“ Und wieder gerät sie ins Schwärmen: „Es war für mich ein prägender Zeitraum, das Turnen habe ich heiß und innig geliebt, und der Sportverein half mir dabei, mich in Ebern einzuleben.“

Freunde bis heute

Wunderbare Freundschaften seien entstanden und dankbar blickt sie zu Wolfgang und Gudrun Köhler aus Ebern, bei denen sie und ihr Mann bis heute immer wiedermal zu Gast sind. Eine alte Turnerbekanntschaft, denn auch die beiden Köhlers waren damals beim TV aktiv.

Wolfgang Köhler erinnert sich, dass das etwa fünf mal drei Meter große Trampolin in den 60er Jahren am Ende nahezu jeder gemischten Turnstunde aufgebaut wurde und jeder durfte sich darauf versuchen. Wirklich hervorragende Leistungen schafften nur eine Hand voll Turner, „allen voran die Jutta“. Bis in die 90er Jahre hinein haben die Turner sich in Ebern immer wieder mal am Trampolin versucht, doch wirkliche sportliche Höhenflüge wurden auf diesem Gerät nie wieder erzielt.

Die Verbindung zwischen Benthes und Köhlers ist nie abgerissen. „Wir haben uns immer gegenseitig besucht, egal, auf welchem Kontinent, erzählt Gudrun Köhler. Frankreich, Westafrika, Mauretanien, Burkina Faso, alles Stationen auf ihrer Lebensreise. Walter Benthe war hier im Rahmen der Ernährungssicherung tätig und seine Frau unterstützte ihn dabei tatkräftig. Heute lebt das Paar in Rheinbach bei Bonn. „Aber immer, wenn ich nach Franken komme, hüpft mein Herz“, sagt sie mit leuchtenden Augen.

Abdruck mit freundlicher Genehmigung
Zeitungsbericht vom 04.05.2013 des Fränkischen Tag; Artikel von Maria Löffler

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