TV Ebern – Der lange Weg zum eigenen Heim

Der TV Ebern musste häufig umziehen, ehe er sein eigenes Vereinsdomizil erhielt. Doch auch dieses Glück währte nicht lange. Umso mehr stolz ist der Verein, der heuer 150 Jahre alt wird, auf sein Gelände an der Gymnasiumstraße.

Heute ist das keine Frage mehr. Den TV Ebern findet man im Bereich Gymnasiumstraße / Lützelebernerstraße. Doch unvergessen bleibt, welche Klimmzüge die Turner über Jahrzehnte hinweg anstellen mussten, um überhaupt Sport treiben zu können. Denn allzu oft wurde das Vereinsleben des TV zu einem Wanderzirkus.

50 Jahre Stiftungsfest des TV Ebern

Der erste Turnplatz befand sich westlich der Stadt auf dem Gelände der unteren Au, zwischen Ebern und Sandhof, südlich der Neubrückentorstraße. Dort spannt heute noch ab und an ein Zirkusunternehmen sein Zelt auf. Hier fand 1890 das 10. Südostoberfränkische Gauturnfest statt, ein Spektakel für Ebern. Die Vereinsspitze bemühte sich damals vergebens, diesen Turnplatz zu kaufen.

Notgedrungen zogen die Turner aus dem Talgrund um und verlegten ab 1893 ihre Aktivitäten hinauf auf den Zenthügel in der jetzigen Losbergsiedlung. Dort war man vor Überflutungen sicher, wie sie der Talgrund heute noch regelmäßig erlebt. Dieses neue Sportgelände befand sich im Bereich Gleusdorfer Straße, dort,wo heute die Eisenbahnbrücke zu finden ist. Genau das war das Problem für den TV: Durch den Bau der Eisenbahnlinie Ebern – Bamberg musste der Verein 1896 bereits wieder nach einer neuen Heimat suchen.

TV Ebern - ADAC-Motor-Sportfest 1950Um die Jahrhundertwende diente ein etwa 60 mal 20 Meter großes Areal in der kleinen Allee außerhalb der südlichen Stadtmauer, zwischen Grauturm und Diebsturm, als Turnplatz. Noch nach dem Ersten Weltkriegwurde dieses Gelände nahe der heutigen Raiffeisen–Volksbank von den Sportlern genutzt, ein Reck gab es da, eine Sprunggrube und die Läufer fanden auf dem Anlagenweg zwischen Grauturm und Diebsturm eine annehmbare 100-Meter-Strecke. An Tartanbahnen, auf denen ein Usain Bold heute Fabelweltrekorde läuft, war damals noch nicht zu denken.

TV geht auf Torejagd

In den 20er Jahren gründete der TV seine Fußballabteilung, die natürlich besonderen Platzbedarf hatte. So pachtete der Verein im Jahre 1928 ein Grundstück auf dem sogenannten „Siechanger“ von der Familie Rotenhan, das heute im Bereich des FTE-Werks liegt.

Auch während des Zweiten Weltkriegs hielten die Sportler offiziell den Turnbetrieb aufrecht. Unter Leitung von Heinrich Schmitt stählten die Männer, die nicht an die Front mussten, ihre Körper im Streitsgarten, der schon vor der Jahrhundertwende während der Wintermonate als Übungsstätte gedient hatte. Das Wort Training, das heute praktisch jede Sportstunde beschreibt, nahm damals noch niemand in den Mund; doch egal ob „Leibesübung“ oder „Turnstunde“, der Eifer und die sportliche Haltung stimmten.

Nach dem Krieg schmiedete die Vereinsspitze Pläne, eine doppelstöckige eigene Turnhalle zu bauen, in der auch ein eigenes Kino Platz finden sollte, denn die Vorführungen im Forstersaal waren echte Straßenfeger und eine willkommene Einnahmequelle. Die Währungsreform 1948 allerdings durchkreuzte die Pläne, sämtliche Kalkulationen der Bauherren gingen nicht mehr auf und 1961 rechnete sich auch der Kinobetrieb nicht mehr. Er wurde eingestellt.

Reckturnen beim TV Ebern im Streitsgarten 1950-1951

Zeitweise, die Eberner Turner hatten durch den Abbruch des Saals im Streitsgarten mal wieder ihre Sportstätte verloren, fand der Turnbetrieb behelfsmäßig im damaligen Gewerkschaftsheim statt, einem Gebäude, das sich auf der heutigen kleinen Grünfläche zwischen Altenheim und Wohnmobilstellplatz befand.

Im Sommer kehrte man zum alten Turnplatz an der Südseite der Stadtmauer zurück, und übte dort, wo sich heute die Mädchen und Buben des Kindergartens Arche Noah tummeln. Dazu war erst einiges an Arbeit nötig, denn unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg war der TV Platz zur Schutthalde umfunktioniert worden. Hier war der Abraum des Hermsdorfer-Hauses neben dem Grauturm gelagert, das den Panzern der einmarschierenden Amerikanern hatte weichen müssen.Der Platz wurde jetzt drainiert und mit Stufen eingefasst. Ältere Turner erinnern sich an die Reckübungen am Abend, denn eine Laterne sorgte dafür, dass auch nach Feierabend der Schweiß der unentwegten Sportler rinnen konnte.

Stadion am Bahndamm

Festgottesdienst zum Jubiläum im Jahr 1963 mit Pfarrer Haller

Dann kam die Zeit des „Bahndammstadions“: Der ständig wachsende Turn- und Spielbetrieb verlangte nach einer größeren Lösung. DieWahl fiel auf das Grundstück (heutiger Wohnmobilstellplatz und Festplatz) zwischen der Walk-Strasser-Anlage und dem Bahndamm. Laut TV Chronik gehörte die Fläche dem Bäckermeister Georg Nadler. Das nötige Geld (4000 Euro für den Kauf) beschaffte man durch einträgliche Vereinsabende und Faschingsumzüge.

Da der Sportplatz im früheren Sumpfgebiet wie ein holpriger Acker aussah und nach Regenfällen zur Matschwüste aufquoll, mussten immer wieder Erd- und Planierungsarbeiten bewältigt werden. Dennoch: Das „Bahndammstadion“ bot für Jahrzehnte die Kulisse für die Heimspiele und erlebte viele tolle Siege der „Turner“.

1955 und ’56 erstand das Sportheim auf der Südseite des Geländes. Die Turner investierten großen Fleiß in den Aufbau und waren mächtig stolz auf ihr Werk. Immerhin war es ihr erstes richtig eigenes Sportheim samt Gaststätte. Die Einweihung fand Ende 1956 statt.

Alles unter Dach und Fach also beim TV, der zu dieser Zeit beachtliche Mitgliederzuwächse verzeichnete? Denkste! Ein Brand im Sportheim machte den Verein im Juli 1988, eine Woche nach der Feier zum 125-jährigen Bestehen, erneut „heimatlos“.

Der Übungsbetrieb indessen ging weiter: Die Turner hatten zeitweise die Turnhalle in Rentweinsdorf angemietet und konnten ab 1966 die Turnhalle bei den Schulen in der Georg-Nadler-Straße nutzen. Seit 1977 stand in Ebern mit der Dreifachturnhalle obendrein eine weitaus größere Sportstätte zur Verfügung, in der vor allem die Volley- und Handballer des TV heimisch wurden. Doch all das hatte auch negative Nebenwirkungen. Die Abteilungen waren nun weit verteilt und dem Verein drohte eine Zersplitterung.

Mit Mut zum Neubau

Mit dem Mut der Verzweiflung legten sich die Verantwortlichen ins Zeug und wagten eine Rieseninvestition, die den TV auf Jahrzehnte verschulden sollte: den Bau der heutigen Sportanlage in der Gymnasiumstraße. Noch im Herbst 1988 erfolgte der erste Spatenstich und im Juni 1991 fand die Einweihung statt. Zum Vereinsheim gehören heute großzügige Außenanlagen mit Rasenspielfeld und Allwetterplatz, eine Vier-Bahnen Kegelanlage, Gymnastikraum, ein Fitness- und Kraftraum, Vereinszimmer, Gaststätte, sowie Dusch- und Umkleideräume. Der TV scheint heute für die nächsten Jahrzehnte gut gerüstet und mit seinen finanziellen Klimmzügen macht er gute Fortschritte.

Abdruck mit freundlicher Genehmigung
Zeitungsbericht vom 02.04.2013 des Fränkischen Tag; Artikel von Eckehard Kiesewetter

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